Veröffentlicht am 14.04.10, 20:25 Uhr im Bereich "
MUSIKALISCHES"

Vor zwanzig Jahren formierte sich in New York eine Band, die sich mit ihrem Crossover aus NYHC und Alternative-Rock schnell einen Namen machte, den sie vor allem ihrem ersten Album "River Runs Red" zu verdanken hat. Zum Geburstag schenkten Life Of Agony sich und ihren Fans eine Konzertreise, bei der das komplette Debüt noch einmal im Mittelpunkt stehen sollte. Für drei Konzerte kam die Band jetzt auch nach Europa.
Einziger Deutschland-Termin des restlos ausverkauften Europa-Kurztrips ist am Ostersonntag die Matrix in Bochum. Warum ausgerechnet der schlauchförmige Matrixkeller mit seinem traditionell eher abenteuerlichen Sound - hinten Matsch, vorne laut - das Ziel der Tourplaner war, wird vermutlich ein ewiges Geheimnis bleiben. Nichts desto trotz ist der rund 1.000 Leute fassende Laden gerammelt voll wie selten, als die vier Herren nach dem ermüdenenden Vorprogramm von Panic Cell und Hyperglow endlich die Bühne betreten.
Da es sich bei "River Runs Red" um ein Konzeptalbum handelt, das die letzten Tage im Leben eines Selbstmörders beschreibt, stand die Setliste des Abends natürlich schon vorher fest, dennoch ist die traurig-wütende Energie, mit der der erste Song "This Time" durch die Matrix-Röhre brät, faszinierend. An Intensität und Power hat die Platte seit ihrem Erscheinen Anfang der 90er nichts eingebüßt. Garant dafür ist natürlich vor allem der kleine Mann mit der großen Herz-Schmerz-Stimme. Keith Caputo sieht mit seine langen Haaren und dem wallenden Hemd aus wie eine kleine Ausgabe des jungen Ozzy und hat sich auch ein wenig vom wirren Gestus des großen Meisters abgeschaut.
Kenner wissen: Den zweiten Song des Albums - "Underground" - beginnt Keith alleine. "If you don't walk with me ..." weiter kommt er nicht, da knallt ihm ein Bierbecher vors Mikro, der mal wieder beweist, dass neben Taschenprüfungen am Einlass auch IQ-Tests nicht schlecht wären. Das würd' die Reihen zwar lichten, aber zumindest blieben einem solch grenzdebile Leistungen erspart. Der Song findet trotzdem eine würdige Fortsetzung und nach dem im Gewölbe verhallenden Einspieler "Monday" brechen bei "River runs red" alle Dämme. Der Titelsong ist einer der großen Hits der Platte und löst mittelschwere Verwüstungen in den ersten Reihen aus.
Daran ändert sich auch beim anschließenden "Trough And Through" nichts. Nur: Auf einmal ist Herr Caputo veschwunden und taucht für den Rest des Abends auch nicht mehr auf. Der Gesang ist zu hören, die Band rockt munter weiter, steht aber definitiv nur noch zu dritt auf der Bühne. Hat der gute Keith vielleicht einen Ausflug ins Publikum gemacht? Ist er mit Funkmikro hinter der Bühne verschwunden um weiteren Becherwürfen zu entgehen oder ist er - wie es ein paar holländische Fans später entrüstet vermuten - einfach "stoned or drunk or what the fuck ever, I want my money back" . In der Tat lag kurzfristig die Vermutung in der Luft, er habe sich einfach durch eine Stimme vom Band ersetzen lassen. Später stellte sich raus: Der Sänger hat brav seinen Dienst verrichtet - und zwar vom Fotograben aus, in Ermangelung an Körpergröße war dieser Fakt aber nur für die ersten paar Reihen zu erfassen.
Da die "RRR"-Scheibe mit ihren 50 Minuten Spielzeit keine abendfüllende Veranstaltung ist, gibt es nach dem finalen Blutstropfen in "Friday" noch weitere Highlights on top - "Other Side Of The River", "Day He Died", "Weeds", "I Regret" und "Lost At 22" runden den Abend ab - und irgendjemand wird am Ende auch Herrn Caputo wieder aus dem Fotograben geholfen haben.
Dieses Review wurde übrigens für GetAddicted verfasst.
Foto: Eknad Naest
Zurzeit sind 0 Kommentare zu diesem Thema vorhanden. Kommentar schreiben?