Dritte Einweg-CD kommt in Kürze

Einweg live

Es ist zwar wieder etwas ruhig geworden um unsere kleine Band "Einweg", aber eingeschlafen sind wir trotzdem noch lange nicht. Acht Songs haben wir in den vergangenen Monaten aufgenommen und werden diese hoffentlich Anfang des kommenden Jahres veröffentlichen. Zurzeit sind wir mit dem Mix der Stücke beschäftigt.

Zwischenzeitlich haben wir auch mal wieder live gespielt und zwar im Rattenloch Schwerte anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Kunterbunt e.V. Die zwei Abende wurden auch komplett mitgeschnitten und werden in Bälde auszugsweise als CD und DVD veröffentlicht.

Die Einweg-Beiträge von der DVD findet ihr schon bei Youtube. Der Song Frühling stammt von der noch unbetitelten neuen Platte und der Song 1001 Leute wurde bisher nicht veröffentlicht, gehört aber seit Langem zum Live-Programm.

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Neue Webseite für Büttner & Oehm Bürosysteme

Büttner & Oehm Webseite

Das in Hagen ansäßige Unternehmen Büttner & Oehm Bürosysteme GmbH hat jetzt seine neue Webseite veröffentlicht. Die Firma besteht bereits seit 1992 und hat sich auf den Vetrieb und Servicedienstleistungen für Drucker, Kopierer, Faxgeräte und Multifunktionsgeräte spezialisiert. Darüber hinaus bietet Büttner & Oehm Beamer und Projektoren sowie Büromöbel wie Stühle, Schränke und Schreibtische an.

Für sämtliche Produkte bietet das Unternehmen auch umfangreiche Servicedienstleistungen und Verbrauchsmaterialien an. Neben ausführlichen Produktinformationen und der Vorstellung des freundlichen Teams stellt die neue Webseite des Hagener Spezialisten auch aktuelle Neuigkeiten und Angebote zur Verfügung.

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Konzert-Review: Anathema & Anneke van Giersbergen live in der Matrix Bochum

Anneke van Giersbergen live in Bochum

Draußen kämpft die Sonne an diesem Samstag noch mit schwindender Kraft um die letzten Stunden des Spätsommers. Drinnen - im Keller der Matrix - ist dieser Kampf schon längst verloren, denn am Abend hält dort der Herbst Einzug, in seiner musikalisch schönsten Form: Anathema stehen sechs Jahren nach ihrem letzten Besuch wieder auf der Bühne des Bochumer Clubs.

Bevor die Briten zu ihrer fast zweieinhalbstündigen Reise durch das Anathema-Universum aufbrechen, darf ein Mann vor das Bochumer Publikum treten, den die wenigsten kennen, der aber vielen an diesem Abend im Gedächtnis bleiben wird: Petter Carlsen. Der Singer/Songwriter ist von den mehr als positiven Reaktionen der rund 700 Zuschauer so überwältigt, dass er sich erstmal eine Träne verdrücken muss, und auch seine weibliche Begleitstimme Anneke von Giersbergen klatscht respektvoll Beifall für die traurige "Alles-wird-gut"-Mucke des Mannes aus Nordnordwegen. Nachdem Carlsen sich verabschiedet hat, darf Anneke - auch bekannt als frühere Stimme der niederländischen Band The Gathering - alleine das Mikro übernehmen. Mit Songs ihrer Solo-Band Aqua de Annique, der U2-Nummer "All I Want Is You" und dem Gathering-Song "My Electricity" hat die sympathische Frau mit der noch sympathischeren Stimme den Laden aber schnell im Griff.

Anathema live in der Matrix 2010Dann Anathema: Sänger und Gitarrist Vincent Cavanagh, seine Brüder Danny (Lead) und Jamie (Bass) sowie Drummer John Douglas und Les Smith am Keyboard starten mit dem Opener ihres neuen Albums "We're Here Because We're Here" und haben tatsächlch die Eier, nach "Thin Air" noch drei weitere Songs des neuen Albums nachzulegen. Das Publikum nimmt es dem Quintett keineswegs übel, sondern kennt die neue Scheibe scheinbar schon in- und auswendig. Die von Porcupine-Tree-Oberfrickler Steven Wilson produzierten Songs sorgen auch live für amtliche Atmosphäre, lassen aber ziemlich deutlich durchblicken, wer da an den Reglern gesessen hat.

Nachdem das neue Album ausgiebig gewürdigt wurde, kündigt Vincent an, dass man sich jetzt sukzessive durch die Diskographie nach unten arbeiten werde, wenn niemand was dagegen habe und legt mit "Closer", "Balance" und "A Natural Disaster" den letzten offizielle Longplayer aus dem Jahr 2003 auf. Und so geht es weiter: "A fine day to exit", "Judgement" und "Alternative 4" werden ausgiebig ausgeschlachtet und mit Material der neuen Platte gemischt - dann ist allerdings Schluss, denn erstens steht die Band schon seit knapp 150 Minuten auf der Bühne und zweitens sind wir inzwischen im Jahr 1997 angekommen, und davor war die Band eher für heftigere Töne bekannt, was das Konzept des Abends wohl etwas gesprengt hätte. Ein feiner Start in den Herbst.

Dieses Review wurde übrigens für GetAddicted verfasst. Dort gibt es auch noch weitere Fotos von dem Konzert.

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Besuch vom Warumwicht

Das Lustige an Kindern ist, dass sie keine Ahnung von Ironie haben und auch sonst so ziemlich alles glauben, was man ihnen erzählt – Weihnachtsmann, Osterhase, Schnullerfee – die Köttel hinterfragen einfach nichts. Warum auch – wenn Mama und Papa das sagen, wird es schon stimmen.

Das in jeder ausweglosen Situation auszunutzen ist zwar verlockend, aber fatal. Unser Sohn Jacob ist ja an dieser Stelle schon des Öfteren zu Wort gekommen. Aktuell neigt er dazu, auf alles, auf wirklich alles, erst mal mit „Warum?“ zu antworten. Eltern kennen das. „Warum muss ich ins Bett?“ – „Weil es spät ist.“ – „Warum ist es spät?“ – „Weil es schon dunkel ist.“ – „Warum ist es schon dunkel?“ – „Weil die Sonne untergegangen ist.“ – „Warum ist die Sonne untergegangen?“ – „Weil der Mond aufgegangen ist.“ – „Warum ist der Mond aufgegangen?“ – „Weil die Erde sich dreht.“ – „Warum dreht sich die Erde?“ – „Weil, weil, weil, – weil es im Weltall keine Reibung gibt, oder so.“ – „Warum gibt es im Wetla, im Waltel, im ... da ... keine Reben, keine Rung, keine ... das?“ „Ach man, Jacob, wenn man zu viele Fragen stellt, kommt der Warumwicht und klaut einem nachts das Kopfkissen.“ - „Ja?“ – „Ja!“ – Da Jacob sein Kopfkissen durchaus heilig ist, hatte ich erstmal Ruhe, aber pädagogisch natürlich alles falsch gemacht.

Die Quittung bekam ich wenige Tage später als ich meine kleine Notlüge schon längst wieder vergessen hatte. Um den Zwerg während der Rückfahrt nach einem Tag bei Oma und Opa wachzuhalten, auf dass er erst zuhause einschlafe, versuchte ich mich in Kinderkonversation: „Und, war es gut bei Oma?“ - „Ja.“ – „Was habt ihr gemacht?“ – „Spielen.“ – „Und was gab es zum Mittagessen?“ – „Nudeln“ – „War lecker?“ – „Ja.“ - „Wart ihr auch auf dem Spielplatz?“ – „Ja. Papa? Hast Du ein Kopfkissen?“ – „Ähm ... ja, warum?“ – „Schon gut.“

Mein Kopfkissen habe ich dann nach langer Suche in Jacobs Kleiderschrank wiedergefunden ...

Dieser Text wurde im Original für den Blickpunkt Balve verfasst.

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Konzert-Review: Morcheeba im Gloria Köln

Morcheeba in Köln 20.07.2010

Morcheeba sind wirklich nur dann Morcheeba, wenn Shirley Klarisse Yonavive Edwards genannt Skye ihre Zauberstimme über die getragenen Trip-Hop-Klänge haucht. Das haben nach zwei Alben ohne ihr Aushängeschild auch Paul und Ross Godfrey erkannt und den Originalzustand Anfang des Jahres wieder hergestellt. Die Fans dankten es dem live zum Sextett aufgestockten Trio mit einem rappzapp ausverkauften Konzert im Kölner Gloria-Theater.

Dass es keins der lauwarmen Best-Of-Reunion-Konzerte werden würde, die immer mal wieder über zahlungswillige Fans hereinbrechen, zeigt sich schon an der Songauswahl des Abends. Mit "Moog Island" packen die Londoner gleich zu Beginn den hypnotischen Auftaktsong ihres Debüt-Albums "Who Can You Trust" aus. Die 15 Jahre alte Nummer hat nichts von ihrer Magie verloren, ist aber auch nicht gerade eine Einladung zum Partymachen, sondern eher ein Dankeschön an die Fans der ersten Stunde, und von denen gibt es an dem Abend in Köln mehr als das Gloria fasst. Vor der Tür warten "Suche-Karten"-Schilderhalter vergeblich auf Erlösung.

Drinnen geht es derweil mit "Friction" vom Zweitwerk "Big Calm" weiter. Das Reggae-Feeling passt bestens zum heißen Wetter in der Domstadt und Skye freut sich angesicht der Temperaturen über den Ventilator am Bühnenrand, der ihr knallrotes Federkleid zum Wehen bringt und ... "well it's not blowing in my face.", wie die 36-Jährige augenzwinkernd ergänzt. Nach zwei weiteren Stücken aus dem vier Alben umfassenden Fundus der gemeinsamen Ära bis 2004 gibt es dann endlich auch den ersten Song vom neuen Album. "Even Though" ist die Single-Auskopplung vom "Blood Like Lemonade" betitelten Werk und wird gefeiert wie ein alter Bekannter.

"The Sea" führt Band und Publikum dann mit einer feinen Mitmachaktion wieder zurück in die Vergangenheit des "Big Calm"-Albums, aber schnell gibt es mit "Crimson" und dem Titelsong auch weitere Stücke vom gelungenen Reunion-Werk. Wenig überraschend, dass die beiden Skye-losen Alben bei der Setlist des Abends komplett ausgespart werden. Dafür bietet die gemeinsame Vergangenheit einfach zu viele gute Songs, die mit der Dynamik einer Live-Band auch noch einmal ganz anders ihre Wirkung entfalten und die Schublade "Pop" des öfteren zugunsten von härteren Gefilden verlassen. Besonders zeigt das neben "Blindfold" auch der neue Song "Beat Of The Drum", bei dem Ross Godfrey an der Gitarre den Verzerrer schon mal etwas kräftiger einschaltet.

Songs vom Top-Seller-Album "Fragments Of Freedom" finden erstaunlicherweise erst im Zugabenteil Platz, dafür aber gleich im Doppelpack. Nach "Be yourself" folgt das lang erwartete und ausgiebig gefeierte "Rome Wasn't Built In A Day".

Wer den kuscheligen Abend in Köln verpasst hat, der sollte die Augen offen halten, denn weitere Tourdaten stehen scheinbar kurz vor der Bestätigung. Darüber hinaus hat der WDR-Rockpalast den Abend im Gloria aufgezeichnet. Das Ganze wird am 30. August ab 1 Uhr morgens gesendet. Einen kleinen Ausschnitt vom Konzert findet ihr schon auf der Rockpalast-Webseite.

Dieses Review wurde übrigens für GetAddicted verfasst. Dort gibt es auch noch weitere Fotos von dem Konzert.

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Wenn Frauen müssen ...

Martina stand zweifelnd in dem schummerigen Flur des kleinen Szenelokals. Es roch nach dieser typischen Mischung aus kaltem Rauch, langen Abenden und zu oft benutztem Frittenfett. „Warum“, fragte sie sich, „warum nur habe ich Sabine nicht mitgenommen?“ Sonst ging sie immer mit ihrer besten Freundin zusammen aufs Klo. Eine Eigenschaft die den Rest der Clique rasend machte. Genau deshalb hatte sie diesmal auch darauf verzichtet und hatte alleine den Weg zum Örtchen angetreten.

Und das hatte sie jetzt davon: Sie stand vor den Toilettentüren der neu entdeckten Kneipe und wusste nicht wohin. Denn die Türen zeigten Linnés Mars- und Venussymbol – je ein Kreis mit Kreuz nach unten bzw. mit Pfeil nach rechts oben. Martina wusste, dass sie diese Symbole kannte und auch ihre Bedeutung hatte sie schon mal irgendwo gelesen. Aber die Chance jetzt einem Pissoir-Nutzer in die Arme zu laufen war einfach zu groß. Diese Peinlichkeit wollte sie sich lieber ersparen. Es half nichts, sie musste zurück zum Cliquen-Tisch und Sabine um Hilfe bitten.

„Na kannste nicht ohne Sabine“, feixten die Jungs am Tisch als Martina viel zu früh wieder zurückkam. Sie ignorierte das mit einem charmanten Lächeln und wandte sich flüsternd an Sabine: „Was ist nochmal das Symbol für Frau?“ – Sabine überlegte kurz und malte die Antwort zur Verdeutlichung mit dem Finger auf den Tisch als sie sagte: „Ein Männchen mit Rock.“

Dieser Text wurde im Original für den Blickpunkt Balve verfasst.

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Ja, er lebt noch ...

Baroness live in Dortmund

Aus Gründen der namentlichen, emotionalen und steuerrechtlichen Neustrukturierung meines familiären Umfelds habe ich hier in letzter Zeit nicht mehr viel geschrieben. Keine Zeit.

Daher hier ein kleines Update zu allem, was ich an anderer Stelle so veröffentlicht habe:

So. Das war jetzt auch nicht viel, aber immerhin. Bald gibt es hier wieder mehr zu lesen. Nehme ich zumindest an.

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Konzert-Review: Life Of Agony in der Matrix Bochum

Life Of Agony in der Matrix Bochum

Vor zwanzig Jahren formierte sich in New York eine Band, die sich mit ihrem Crossover aus NYHC und Alternative-Rock schnell einen Namen machte, den sie vor allem ihrem ersten Album "River Runs Red" zu verdanken hat. Zum Geburstag schenkten Life Of Agony sich und ihren Fans eine Konzertreise, bei der das komplette Debüt noch einmal im Mittelpunkt stehen sollte. Für drei Konzerte kam die Band jetzt auch nach Europa.

Einziger Deutschland-Termin des restlos ausverkauften Europa-Kurztrips ist am Ostersonntag die Matrix in Bochum. Warum ausgerechnet der schlauchförmige Matrixkeller mit seinem traditionell eher abenteuerlichen Sound - hinten Matsch, vorne laut - das Ziel der Tourplaner war, wird vermutlich ein ewiges Geheimnis bleiben. Nichts desto trotz ist der rund 1.000 Leute fassende Laden gerammelt voll wie selten, als die vier Herren nach dem ermüdenenden Vorprogramm von Panic Cell und Hyperglow endlich die Bühne betreten.

Da es sich bei "River Runs Red" um ein Konzeptalbum handelt, das die letzten Tage im Leben eines Selbstmörders beschreibt, stand die Setliste des Abends natürlich schon vorher fest, dennoch ist die traurig-wütende Energie, mit der der erste Song "This Time" durch die Matrix-Röhre brät, faszinierend. An Intensität und Power hat die Platte seit ihrem Erscheinen Anfang der 90er nichts eingebüßt. Garant dafür ist natürlich vor allem der kleine Mann mit der großen Herz-Schmerz-Stimme. Keith Caputo sieht mit seine langen Haaren und dem wallenden Hemd aus wie eine kleine Ausgabe des jungen Ozzy und hat sich auch ein wenig vom wirren Gestus des großen Meisters abgeschaut.

Kenner wissen: Den zweiten Song des Albums - "Underground" - beginnt Keith alleine. "If you don't walk with me ..." weiter kommt er nicht, da knallt ihm ein Bierbecher vors Mikro, der mal wieder beweist, dass neben Taschenprüfungen am Einlass auch IQ-Tests nicht schlecht wären. Das würd' die Reihen zwar lichten, aber zumindest blieben einem solch grenzdebile Leistungen erspart. Der Song findet trotzdem eine würdige Fortsetzung und nach dem im Gewölbe verhallenden Einspieler "Monday" brechen bei "River runs red" alle Dämme. Der Titelsong ist einer der großen Hits der Platte und löst mittelschwere Verwüstungen in den ersten Reihen aus.

Daran ändert sich auch beim anschließenden "Trough And Through" nichts. Nur: Auf einmal ist Herr Caputo veschwunden und taucht für den Rest des Abends auch nicht mehr auf. Der Gesang ist zu hören, die Band rockt munter weiter, steht aber definitiv nur noch zu dritt auf der Bühne. Hat der gute Keith vielleicht einen Ausflug ins Publikum gemacht? Ist er mit Funkmikro hinter der Bühne verschwunden um weiteren Becherwürfen zu entgehen oder ist er - wie es ein paar holländische Fans später entrüstet vermuten - einfach "stoned or drunk or what the fuck ever, I want my money back" . In der Tat lag kurzfristig die Vermutung in der Luft, er habe sich einfach durch eine Stimme vom Band ersetzen lassen. Später stellte sich raus: Der Sänger hat brav seinen Dienst verrichtet - und zwar vom Fotograben aus, in Ermangelung an Körpergröße war dieser Fakt aber nur für die ersten paar Reihen zu erfassen.

Da die "RRR"-Scheibe mit ihren 50 Minuten Spielzeit keine abendfüllende Veranstaltung ist, gibt es nach dem finalen Blutstropfen in "Friday" noch weitere Highlights on top - "Other Side Of The River", "Day He Died", "Weeds", "I Regret" und "Lost At 22" runden den Abend ab - und irgendjemand wird am Ende auch Herrn Caputo wieder aus dem Fotograben geholfen haben.

Dieses Review wurde übrigens für GetAddicted verfasst.

Foto: Eknad Naest

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Fleischthekenkonversation: Gespräche mit Frau Wurst

Im Gegensatz zu Teilen meines Umfeldes bin ich dem Verzehr der in Mitteleuropa gängigen Fleischsorten nicht komplett abgeneigt. Ich brauche nicht jeden Abend ein halbes Schwein auf dem Tisch zu haben wie andere Teile desselben Umfeldes, aber komplett entsagen mag ich den Wurstkadavern und Hackleichen auch nicht.
Ekelskandale und Tierquälerei sind mir zwar nicht gänzlich schnuppe — wann immer es geht falle ich gerne und gutgläubig auf teure Bio-Frische-Freilauf-Siegel und mundgerechte Luft-Bodenhaltung rein — aber die Gewissheit mal irgendwann in einen abgelaufenen Döner gebissen zu haben beschert mir nicht unbedingt Spontanherpes.

Größere Probleme bereitet mir dagegen der Erwerb der Tierteile. Ich will meine Wurstwaren eingeschweißt und mit einem schicken Siegel für das gute Gewissen beklebt aus einer SB-Kühltheke nehmen — den Kontakt zum Fleischereifachpersonal meide ich wann immer es geht. Irgendwie funktioniert das nicht mit mir und der Metzgerin.

Neulich allerdings bedrängte mich ein recht kleiner aber enorm einflussreicher Teil meines Umfeldes massiv, doch bitte für das bevorstehende Wochenendfrühstück eine üppige Selektion unterschiedlichster Aufschnitt-Kleinstmengen zu erstehen, die unmöglich in Cellophan zu bekommen war.

Ich musste zur Theke.

Nun beherrsche ich schon seit Kindesbeinen den fürchterlichen, aber einmal auswendig gelernten und nie wieder vergessenen Satz "Ein halbes Pfund Gehacktes halb und halb, bitte." Auch wenn sonst kein Mensch, der klaren Verstandes ist, dieses Wortscheusal verstehen kann — in Metzgereien gehört es offenbar zur Grundausbildung zu wissen, dass der Kunde 125 Gramm Schweinehack und 125 Gramm Rinderhack gemischt haben möchte. Der Satz funktioniert im Sauerland wie im Ruhrgebiet, und sogar an der Nordseeküste bekam ich schon die gewünschte Ware (glaube ich ...).

Nur: Wer kulinarisch nicht vollkommen verroht ist, stößt mit diesem Satz beim Erwerb von Frühstücksaufschnitt schnell an seine Grenzen.

Es half alles nichts — ich musste Fleischtheken-Konversation betreiben. Oh, wie ich es hasse. Vor mir liegen 35 Sorten Salami die sich ausschließlich in ihrer Form unterscheiden, maximal ein Pfeffer- oder Kräuterrand bringt etwas Abwechslung in die Sache. Umgeben ist das Ganze von einem chaotischen Schilderwald, der überhaupt keinen Aufschluss auf irgendeine Art der Zuordnung gibt. Mutig entscheide ich mich für eine Salami, deren Scheibenformat zu dem soeben erstandenen Brot passen könnte. Nichts ist schlimmer, als Wurstscheiben auf Brotgrößen zurecht flicken zu müssen. Wer so etwas macht? Fragt mal meinen Sohn ...

Aber egal auf welche Salamisorte ich zeige, es ist garantiert die luftgetrocknete Eselsalami aus einem Mailänder Künstlerviertel für 7,99 je 100 Gramm. Ok — denke ich — zwei, drei Scheiben, man gönnt sich ja sonst nichts und sage "Ja, aber nur drei Scheiben bitte." Zack — darf's ein bisschen mehr sein — sind zehn Scheiben eingetütet. Die berühmte Salamitaktik.

Das gleiche Spiel beim Schinken. "Ich hätte gerne einige Scheiben mageren Frühstücksschinkens", lautete mein wohlüberlegtes und wohlformuliertes Kaufgesuch. Frau Wurst zeigt mit den Wort "Wie wär's mit dem Schwatzwälder" auf eine Lage Fettstreifen, die nur erahnen lassen, dass wohl irgendwo dazwischen auch etwas geräucherter Brotbelag zu finden sein könnte. "Nein danke, vielleicht der da?" weise ich auf eine etwas appetitlichere Auslage. "Datt issen Zerrano", sagt sie als ob ich statt des angedachten Schinkens auf einmal eine Tüte Luftschlangen bestellt hätte. "Ja, so fünf Scheiben." Wie es weitergeht kann man sich denken. In Anbetracht sich anbahnenden Aufruhrs in der Schlange voller professioneller Wurstkäu(f)erinnen hinter mir, stimme ich den zwölf angebotenen Scheiben für knapp fünf Euro zu und verlasse schweißnass den Ort des Terrors.
In meiner Junggesellenzeit hätte ich mich über die vertane Zeit geärgert, schnell einen Prengel Fleischwurst (mit Knoblauch) eingepackt und hätte den zu teuren Theken-Aufschnitt heimlich bei der Kinderschokolade versteckt. Aber heute muss ich ja mit einer Selektion heimkommen, geht also nicht ...

Eigentlich sollte ich auch noch Käse mitbringen, aber zum Glück entdecke ich eine eingeschweisste Auswahl holländischen Allerleis und flüchte mit der hart erkämpften Frühstücksbeute nach Hause.

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CD-Review: Field Music - Field Music (Measure)

Field Music - Field Music (Measure)

Für ein Projekt, das erst seit 2004 existiert und das aus dem Dunstkreis der sehr heutigen Bands The Futureheads und Maximo Park entstand, klingt das aktuelle Werk von David und Peter Brewis' "Field Music" unglaublich antiquiert. Antiquiert im besten Sinne allerdings.

Schon bei den vorangegangenen CDs der Band war das Urteil "Indie Rock" extrem unzureichend und verkürzt, aber bei dem 72-minütigen Werk "Field Music (Measure)" verbietet sich definitiv jede Form der Schubladisierung. Auf dem ernorm erwachsenen Album zitieren sich die Brewis Brüder durch die halbe Musikgeschichte von der Mitte der 70er bis heute.

"Effortlessly" schaut mal kurz bei Yes' "Owner Of A Lonely Heart" rein, "Them That Do Nothing", könnte auch aus der Feder von McCartney stammen und das großartige "The Rest Is Noise" klingt wie ein gemeinsames Werk von Steely Dan, Queen und Styx. Bei anderen Stücken standen hier und da sicher auch Bowie, Zeppelin oder Prince gedanklich Pate. Die Band funkt, rockt, jazzt, schwelgt, lässt Songs Zeit sich episch zu enfalten, scheut sich nicht vor ausgedehnten Parts, greift auch mal zu ungewöhnlichen Instrumenten und lässt Stücke unmerklich ineinander fließen. Während fast jedem der 20 durchweg überzeugenden Stücke erwischt sich der Zuhörer bei einem anderen "Das klingt wie, na - wie hießen die noch gleich ...?"-Gedanken, ohne dass Field Music dabei je ihre eigene Identiät aufgeben würden.

Wäre da nicht der klare Sound einer modernen Produktion, man könnte meinen, ein Juwel aus längst vergangenen Zeiten in Händen zu halten. Sehr groß.

Links:
Bandhomepage
MySpace

Dieses Review wure übrigens für GETADDICTED.ORG geschrieben - jetzt mit komplett neuer Webseite!

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