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Wenn Frauen müssen ...

Martina stand zweifelnd in dem schummerigen Flur des kleinen Szenelokals. Es roch nach dieser typischen Mischung aus kaltem Rauch, langen Abenden und zu oft benutztem Frittenfett. „Warum“, fragte sie sich, „warum nur habe ich Sabine nicht mitgenommen?“ Sonst ging sie immer mit ihrer besten Freundin zusammen aufs Klo. Eine Eigenschaft die den Rest der Clique rasend machte. Genau deshalb hatte sie diesmal auch darauf verzichtet und hatte alleine den Weg zum Örtchen angetreten.

Und das hatte sie jetzt davon: Sie stand vor den Toilettentüren der neu entdeckten Kneipe und wusste nicht wohin. Denn die Türen zeigten Linnés Mars- und Venussymbol – je ein Kreis mit Kreuz nach unten bzw. mit Pfeil nach rechts oben. Martina wusste, dass sie diese Symbole kannte und auch ihre Bedeutung hatte sie schon mal irgendwo gelesen. Aber die Chance jetzt einem Pissoir-Nutzer in die Arme zu laufen war einfach zu groß. Diese Peinlichkeit wollte sie sich lieber ersparen. Es half nichts, sie musste zurück zum Cliquen-Tisch und Sabine um Hilfe bitten.

„Na kannste nicht ohne Sabine“, feixten die Jungs am Tisch als Martina viel zu früh wieder zurückkam. Sie ignorierte das mit einem charmanten Lächeln und wandte sich flüsternd an Sabine: „Was ist nochmal das Symbol für Frau?“ – Sabine überlegte kurz und malte die Antwort zur Verdeutlichung mit dem Finger auf den Tisch als sie sagte: „Ein Männchen mit Rock.“

Dieser Text wurde im Original für den Blickpunkt Balve verfasst.

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Ja, er lebt noch ...

Baroness live in Dortmund

Aus Gründen der namentlichen, emotionalen und steuerrechtlichen Neustrukturierung meines familiären Umfelds habe ich hier in letzter Zeit nicht mehr viel geschrieben. Keine Zeit.

Daher hier ein kleines Update zu allem, was ich an anderer Stelle so veröffentlicht habe:

So. Das war jetzt auch nicht viel, aber immerhin. Bald gibt es hier wieder mehr zu lesen. Nehme ich zumindest an.

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Fleischthekenkonversation: Gespräche mit Frau Wurst

Im Gegensatz zu Teilen meines Umfeldes bin ich dem Verzehr der in Mitteleuropa gängigen Fleischsorten nicht komplett abgeneigt. Ich brauche nicht jeden Abend ein halbes Schwein auf dem Tisch zu haben wie andere Teile desselben Umfeldes, aber komplett entsagen mag ich den Wurstkadavern und Hackleichen auch nicht.
Ekelskandale und Tierquälerei sind mir zwar nicht gänzlich schnuppe — wann immer es geht falle ich gerne und gutgläubig auf teure Bio-Frische-Freilauf-Siegel und mundgerechte Luft-Bodenhaltung rein — aber die Gewissheit mal irgendwann in einen abgelaufenen Döner gebissen zu haben beschert mir nicht unbedingt Spontanherpes.

Größere Probleme bereitet mir dagegen der Erwerb der Tierteile. Ich will meine Wurstwaren eingeschweißt und mit einem schicken Siegel für das gute Gewissen beklebt aus einer SB-Kühltheke nehmen — den Kontakt zum Fleischereifachpersonal meide ich wann immer es geht. Irgendwie funktioniert das nicht mit mir und der Metzgerin.

Neulich allerdings bedrängte mich ein recht kleiner aber enorm einflussreicher Teil meines Umfeldes massiv, doch bitte für das bevorstehende Wochenendfrühstück eine üppige Selektion unterschiedlichster Aufschnitt-Kleinstmengen zu erstehen, die unmöglich in Cellophan zu bekommen war.

Ich musste zur Theke.

Nun beherrsche ich schon seit Kindesbeinen den fürchterlichen, aber einmal auswendig gelernten und nie wieder vergessenen Satz "Ein halbes Pfund Gehacktes halb und halb, bitte." Auch wenn sonst kein Mensch, der klaren Verstandes ist, dieses Wortscheusal verstehen kann — in Metzgereien gehört es offenbar zur Grundausbildung zu wissen, dass der Kunde 125 Gramm Schweinehack und 125 Gramm Rinderhack gemischt haben möchte. Der Satz funktioniert im Sauerland wie im Ruhrgebiet, und sogar an der Nordseeküste bekam ich schon die gewünschte Ware (glaube ich ...).

Nur: Wer kulinarisch nicht vollkommen verroht ist, stößt mit diesem Satz beim Erwerb von Frühstücksaufschnitt schnell an seine Grenzen.

Es half alles nichts — ich musste Fleischtheken-Konversation betreiben. Oh, wie ich es hasse. Vor mir liegen 35 Sorten Salami die sich ausschließlich in ihrer Form unterscheiden, maximal ein Pfeffer- oder Kräuterrand bringt etwas Abwechslung in die Sache. Umgeben ist das Ganze von einem chaotischen Schilderwald, der überhaupt keinen Aufschluss auf irgendeine Art der Zuordnung gibt. Mutig entscheide ich mich für eine Salami, deren Scheibenformat zu dem soeben erstandenen Brot passen könnte. Nichts ist schlimmer, als Wurstscheiben auf Brotgrößen zurecht flicken zu müssen. Wer so etwas macht? Fragt mal meinen Sohn ...

Aber egal auf welche Salamisorte ich zeige, es ist garantiert die luftgetrocknete Eselsalami aus einem Mailänder Künstlerviertel für 7,99 je 100 Gramm. Ok — denke ich — zwei, drei Scheiben, man gönnt sich ja sonst nichts und sage "Ja, aber nur drei Scheiben bitte." Zack — darf's ein bisschen mehr sein — sind zehn Scheiben eingetütet. Die berühmte Salamitaktik.

Das gleiche Spiel beim Schinken. "Ich hätte gerne einige Scheiben mageren Frühstücksschinkens", lautete mein wohlüberlegtes und wohlformuliertes Kaufgesuch. Frau Wurst zeigt mit den Wort "Wie wär's mit dem Schwatzwälder" auf eine Lage Fettstreifen, die nur erahnen lassen, dass wohl irgendwo dazwischen auch etwas geräucherter Brotbelag zu finden sein könnte. "Nein danke, vielleicht der da?" weise ich auf eine etwas appetitlichere Auslage. "Datt issen Zerrano", sagt sie als ob ich statt des angedachten Schinkens auf einmal eine Tüte Luftschlangen bestellt hätte. "Ja, so fünf Scheiben." Wie es weitergeht kann man sich denken. In Anbetracht sich anbahnenden Aufruhrs in der Schlange voller professioneller Wurstkäu(f)erinnen hinter mir, stimme ich den zwölf angebotenen Scheiben für knapp fünf Euro zu und verlasse schweißnass den Ort des Terrors.
In meiner Junggesellenzeit hätte ich mich über die vertane Zeit geärgert, schnell einen Prengel Fleischwurst (mit Knoblauch) eingepackt und hätte den zu teuren Theken-Aufschnitt heimlich bei der Kinderschokolade versteckt. Aber heute muss ich ja mit einer Selektion heimkommen, geht also nicht ...

Eigentlich sollte ich auch noch Käse mitbringen, aber zum Glück entdecke ich eine eingeschweisste Auswahl holländischen Allerleis und flüchte mit der hart erkämpften Frühstücksbeute nach Hause.

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Wir haben Ihre Kreditkarte aufgehangen

Heute erreichte mich trotz diverser Filter unerfreulicherweise die folgende Email:

Hallo Gast Visa Europe,
 
Ihre Kreditkarte wurde ausgesetzt, weil wir ein Problem festgestellt, auf Ihrem Konto .

Wir haben zu bestimmen, dass jemand Ihre Karte ohne Ihre Erlaubnis verwendet haben. Fr Ihren Schutz haben wir Ihre Kreditkarte aufgehangen. Um diese Suspension aufzuheben Klicken Sie hier und folgen Sie den Staat zur Aktualisierung der Informationen in Ihrer Kreditkarte.

Vermerk: Wenn diese nicht vollst?ndig ist am 13.Januar 2010, wir gezwungen sein, Ihre Karte aussetzen

Wir bedanken uns fr Ihre Zusammenarbeit in dieser Angelegenheit.

Ihr Schutz ist unsere Verantwortung, Thank you ..

Dokumente ID : 72104015850

Danke, Kunden-Support-Service.

Es heißt ja, dass bei einer Millionen verschickter Spam-Emails ein bis zwei Leute blöd genug sind darauf reinzufallen. Einen solchen Menschen würde ich gerne mal kennenlernen. Nur so aus Neugier. Danke.

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Fliegenpilzragout in Darwin's Bistro

Der Briefkasten an dem mein Name steht, wird in letzter Zeit mit Werbung bestückt, die mir gelinde gesagt Angst macht.

Sicher, die Dönerbude um die Ecke darf mir gerne weiterhin ihre Speisenkarte zukommen lassen. Dass mir der türkische Imbiss darin Pizza Calzone (mit Dönerfleisch) oder Insalata Falafel kredenzen möchte - geschenkt. "Im Magen kommt eh alles durcheinander", sagt Vatter immer. Außerdem zeigt es: Multikulti-Europa funktioniert zumindest kulinarisch - sogar mit Türkei. Wobei - die Sache mit der priviligierten Partnerschaft muss ich mir dringend nochmal überlegen, denn die besagte Karte, die mir jüngst in den Briefkasten flatterte, enthielt neben den Werken aus Azurro-Achmeds Fastfood-Küche auch die Einladung zur Halloween-Party in selbigem Etablissement. Die Gruselfete in einem Laden, wo Männer mit Elektrosäbeln an Gammelfleisch rumsensen ist mir dann doch etwas zu viel Realität.

Genauso wenig brauche ich übrigens den Flyer des internationalen Food-Service "Titanic", der mir unlängst aus dem Briefkasten entgegenpurzelte und in dem ein asiatisch-mexikanisch-italienischer Speisenmix feilgeboten wird. Es kann sein, dass ich falsch informiert bin, aber es gab da doch mal dieses Schiff, in dem ein Haufen reicher Schnösel beim Verspeisen erlesenster Importware von einem kleinen Eisberg überrascht wurde und daraufhin größtenteils ertrank - hieß das nicht auch Titanic? Ist es vor diesem Hintergrund clever ein Restaurant nach dem Kahn zu benennen? Nein, ist es nicht.

Den fantastischsten Namen hat sich aber der Besitzer von "Darwin's Bistro" ausgesucht, der neulich seinen Flyer in meinen Briefschlitz steckte. Darwin teilt sich das Bistro übrigens mit seiner Mama, die in der Küche steht und für den "täglich wechselnden Mittagstisch" sorgt. Was es da wohl gibt ...? Fliegenpilzragout, Fingerhutsuppe und Rucolasalat an Kreuzkraut - um dem "Survival of the Fittest" ein bißchen auf die Sprünge zu helfen? Man erfährt es nicht, denn um Kosten zu sparen druckt Darwin keine Speisenkarte ab, sondern teilt sich den zweiseitigen Flyer mit einen örtlichen Gas-Wasser-Scheisse-Service. Spitze.

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Born to be child

Die Chromteile der Harley Davidson funkelten im trüben Licht des diesigen Samstag Nachmittags. Fast schon höhnisch spiegelten sie die Tristesse des Autobahn-Parkplatzes wider, auf dem sich in unüberschaubaren Reihen müde Familiendroschken drängten, deren matter Lack langweilige Geschichten von endlosen Staukilometern im zermürbenden Reiseverkehr erzählten. Der Traum jeden Motorradfahrers dagegen glänzte mit knallrotem Metallic-Lack als ob auch tausende Kilometer im dreckigen Staub der Route 66 nichts an dieser Optik ändern würden.

Neben der Harley stand ein Mann, der nur als Prototyp jedes Fernseh-Bikers bezeichnet werden kann: Die große, verspiegelte Sonnenbrille schien wie festgewachsen in der ledrig-zerfurchten Haut des Gesichtes, an dessen unterem Ende ein gewaltiger Rauschebart sich nicht zwischen Aschgrau und Nikotingelb entscheiden konnte. Mit einer seiner riesigen Pranken nahm er gerade einen visierlosen, mattschwarzen Helm hoch, mit der anderen versuchte er die schweißverklebten silbergrauen Haar-Strähnen zu bändigen. Die Ärmel der uralten Lederjacke rutschten ein Stück nach oben und gaben den Blick frei auf Unterarme, die eigentlich mal Oberschenkel werden sollten. Auf dem rechten prangte - ich schwöre es - ein vom Pfeil durchstoßenes loderndes Herz. Dieser Mann war nicht irgendein Biker. Er war der Biker.

Jacob stand direkt vor dem Kerl und seiner Maschine, betrachtete die Szene mit anerkennendem Blick, streckte langsam den Zeigefinger aus und sagte mit glockenheller Stimmer: "Mofa!"

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Dank an den Parkscheinheiligen

Es dauerte natürlich wieder länger. Hätte ich ja eigentlich mit rechnen müssen, aber ich hatte halt nur 1,10 Euro Kleingeld im Portemonnaie gehabt und daher irgendwie gehofft, dass die Parkzeit von einer guten Stunde ausreicht um das volle Wartezimmer und den langwierigen Arzttermin über die Bühne zu bekommen.

Aber wie das Leben so spielt: Als ich aus der Praxis stürme, ist es 11.15 Uhr - 25 Minuten über die Zeit. Und die Politesse steht natürlich gerade genau neben meinem Auto, guckt - und geht weiter. Dabei hatte ich mir im Laufen schon Dieter Nuhrs Spruch zurechtgelegt ("Machen Sie ruhig, ich wäre doch auch Strafzettelschreiber geworden, wenn ich in der Schule versagt hätte.") Aber sie geht tatsächlich weiter. Nun gut, denke ich, dann ist sie vielleicht außer Dienst oder hat einen guten Tag.

Umso besser. Ich steige ins Auto und fahre los. Aber schon nach den ersten Metern flattert ein Zettel hinter meinem Scheibwischer. "Also doch. Diese blöde Kuh", fährt es mir durch den Kopf und ich halte bei nächster Gelegenheit an um den Wisch zu entfernen. Mit außerordentlichem Erstaunen muss ich allerdings festestellen, dass es kein Straf- sondern ein Parkzettel ist, der da hinter meinem Scheibenwischer klemmt.

Irgendein aufmerksamer Mitbürger hat mir seine Restzeit geschenkt oder gar für mich gelöhnt, als er sah, dass meine Parkuhr abgelaufen war. Herzlichen Dank fremder Mensche. You made my day.

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Dr. Oetker hat Bereitschaftsdienst

Der Nachtdienst im Krankenhaus ist eine aufreibende und minder spaßige Angelegenheit, aber er gehört halt für die meisten Ärzte dazu. Daher geht der Kollege – nennen wir ihn Dr. Oetker – für gewöhnlich engagiert und motiviert ans Werk.

So auch als er neulich gegen 3 Uhr morgens aus dem unruhigen Bereitschaftszimmer-Schlaf gerissen wurde, um einen jungen Mann zu behandeln. Da sich im Laufe der Untersuchung herausstellte, dass der Patient sein Problem schon seit ein paar Tagen mit sich herumgetragen hatte, wagte Dr. Oetker die Frage, warum er denn ausgerechnet jetzt, mitten in der Nacht, beschlossen habe einen Arzt aufzusuchen. „Ach wissen Sie, ich habe tagsüber immer so viel zu tun, gehe eh spät ins Bett und schlafe gerne aus. Und da ich gerade Zeit hatte, dachte ich, ich komme mal vorbei“, erzählte der junge Mann im Plauderton. Aha. Und da kommen Sie als Notfall hierher und wecken mich, weil Sie gerade Zeit haben?“ Oetker war baff. Der Mann quittierte es mit einem Lachen.

Schichtdienst bringt es mit sich, dass Ärzte meist mehrere Nächte hintereinander die Verantwortung auf der Station tragen. Daher hatte mein Freund in der kommenden Nacht wieder Bereitschaft und war nach der Behandlung eines wirklichen Notfalls gegen 4 Uhr morgens ohnehin wach, griff zum Hörer und rief den jungen Mann von der Nacht zuvor Zuhause an. „Guten Morgen, hier ist ihr behandelnder Notarzt, ich hatte gerade Zeit und dachte, ich frage mal, wie es so geht.“ Der Ex-Patient war nicht erfreut über diese Geste. Er hatte geschlafen und tat das auch unmissverständlich kund. „Spinnen Sie?“, fragte er Dr. Oetker. „Nein, nein, keineswegs. Tut mir leid, dass ich Sie geweckt habe, aber das ist der routinemäßige 24-Stunden-Check. Das machen wir immer so bei Notfallpatienten. Ist wirklich alles in Ordnung bei Ihnen.“ „Ja!“, blaffte der Geweckte und knallte den Hörer auf.

Dieser Text wurde im Original für den Blickpunkt Balve verfasst.

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Im Club der dünnen jungen Männer

Auf Grund von störenden Insekten suchte ich meinen vertrauten Medizinmann für alles Optische auf und bat um Kontrolle. "Wahrscheinlich völlig harmlos", beschied der Arzt - nennen wir ihn Dr. Oberaffenarsch. Er wolle aber auf Nummer sicher gehen und ordnete eine Netzhaut-Untersuchung an. "Wir vergrößern Ihnen dafür die Pupillen. Kommen Sie nicht alleine, Sie können danach nicht Auto fahren", empfahl er. Gesagt, getan. Da ich aus Kindertagen ahnte, was auf mich zukam, war ich nicht weiter beunruhigt. Ich würde Tropfen bekommen, er würde kurz in die Augen leuchten. Fertig. Dachte ich.

Als Oberaffenarsch sich am Tag der Untersuchung nach vollendeter Pupillenerweiterung mit einer zweiten Tropfendosis näherte, machte ich größere Augen als er sich gewünscht hatte. Angesichts des verdächtig nach Sekundenkleber aussehenden Tropfen-Fläschchens fragte ich, was er denn damit vorhabe. Ein Fehler. Er verdrehte die Augen, stöhnte und sagte, dass er meine Augen betäuben müsse. Eine Idee, die mich alles andere als erfreute. "Augen betäuben? Wozu?", wollte ich wissen. "Wenn ich das nicht machen, dann springen Sie mir bei dem was ich danach mit Ihnen vorhabe schreiend vom Stuhl." Spitze. Total beruhigend. "Äh. Wie bitte?", entfleuchte es mir, was ihn wiederrum mit den Augen rollen ließ. Erneut seufzte er theatralisch und mumelte, dass es immer die Gleichen seien, die sich bei der Netzhaut-Untersuchung so anstellten. "Immer die dünnen jungen Männer." Großartig, ich war soeben einer mir völlig unbekannten Weich-Ei-Randgruppe beigetreten, und das nur weil ich als vermeintlich mündiger Patient wissen wollte, was der Weißkittel vorhat, aber das wäre nun wirklich etwas viel Selbstbestimmung.

"Los jetzt. Stellen Sie sich nicht so an." Er tropfte mir den Sekundenkleber in die Augen, befahl mir zu zwinkern und wollte wissen: "Brennt's?" - "Ja!", gab ich zurück. - "Immer noch?", bellte er. - "Nein", musste ich zugeben. Dann schmierte  er eine glitschige Paste auf eine kleine Lupe und pappte sie mir direkt auf den Augapfel. "Ok, er hat Recht", dachte ich so bei mir. "Das mit der Betäubung war eine verdammt kluge Idee." Was folgte war nicht angenehm, aber auch nicht weiter erwähnenswert - grelles Licht und aufgerissene Pupillen vertragen sich halt nicht besonders gut.

Nach gestellter Diagnose - "Wie ich vermutet hatte - alles ok. Keine Löcher in der Netzhaut" - wurde mir plötzlich etwas blümerant. Ich wagte, darin eine Nebenwirkung des Sekundenklebers zu sehen. "Quatsch, das ist Ihre Psyche. Hier - ein Traubenzucker. Und packen Sie sich jetzt bloß nicht in Augen. Die sind noch betäubt und sie merken nicht, wenn Sie da was kaputt machen." Mit diesen Worten verabschiedete er sich und flachste nochmal mit den Sprechstundenhilfen über die dünnen jungen Männer.

Vor dem nächsten Augenarztbesuch muss ich dringend mehr essen.

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Nachwuchsnamen und ihre Folgen

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Die Suche nach einem Namen für den Nachwuchs erfordert Geduld und viel Recherche sowie den Mut zum zeitweiligen Familien-Zerwürfnis und den Schneid, alles auf dem Weg zum Anmeldetermin beim Standesamt noch über den Haufen zu werfen. Wer diese Eigenschaften nicht mitbringt, nennt die Kinder Kevin, Torben oder Silvio bzw. Mandy, Kimberley oder Jacqueline. Ja, ich weiß, Kindernamen-Bashing ist ein total durchgenudeltes Comedy-Thema, das nur Schwachköpfe wie Mario Barth plattwalzen, aber ich muss da gerade mal was loswerden.

Zurück zu Jacqueline: Gerade die meisten französischen Mädchennamen sind in Deutschland eigentlich nur sinnvoll, wenn man für seine Tochter eine Karriere im Untenrum-Gewerbe plant. Eine solche sowie Spott vom Kindergarten bis zum Hauptschulabschluss haben scheinbar die Eltern der kleinen Chantal vorgesehen. Denn sie gaben dem unschuldigen Ding nicht nur einen grausamen Vornamen, sondern krönten das Ganze auch noch mit ihrem Familiennamen: Schafstall. Ich schwöre, ich las es in der Geburtsanzeige. Chantal Schafstall. Ich glaube für so etwas wurde einmal das UNICEF gegründet, aber was soll man tun. Sofern die Erziehungsberechtigten die Brut nicht rechtzeitig in einer norditalienischen Pizzeria "vergessen", ist die Umwelt machtlos.

Aber auch wer ein bißchen mehr nachdenkt als Mama und Papa Schafstall, zieht bei der Namenssuche nicht immer die richtigen Schlüsse. Zum Beispiel die Eltern eines kleinen Jungen, von dem mir jetzt eine Bekannte erzählte: Er wurde Üffes genannt. Keine Ahnung warum niemand nachfragte, warum niemand Haare raufte oder Ämter informierte. Freunde oder Verwandte müssen etwas gemerkt haben, aber nein, sie akzeptierten es, und so wurde der kleine Üffes drei und kam in den Kindergarten. Die schlaue Erzieherin bat die Mutter, den Namen doch lieber zu buchstabieren. Das tat sie: "Y-V-E-S. Üffes."

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