Im Club der dünnen jungen Männer

Auf Grund von störenden Insekten suchte ich meinen vertrauten Medizinmann für alles Optische auf und bat um Kontrolle. "Wahrscheinlich völlig harmlos", beschied der Arzt - nennen wir ihn Dr. Oberaffenarsch. Er wolle aber auf Nummer sicher gehen und ordnete eine Netzhaut-Untersuchung an. "Wir vergrößern Ihnen dafür die Pupillen. Kommen Sie nicht alleine, Sie können danach nicht Auto fahren", empfahl er. Gesagt, getan. Da ich aus Kindertagen ahnte, was auf mich zukam, war ich nicht weiter beunruhigt. Ich würde Tropfen bekommen, er würde kurz in die Augen leuchten. Fertig. Dachte ich.

Als Oberaffenarsch sich am Tag der Untersuchung nach vollendeter Pupillenerweiterung mit einer zweiten Tropfendosis näherte, machte ich größere Augen als er sich gewünscht hatte. Angesichts des verdächtig nach Sekundenkleber aussehenden Tropfen-Fläschchens fragte ich, was er denn damit vorhabe. Ein Fehler. Er verdrehte die Augen, stöhnte und sagte, dass er meine Augen betäuben müsse. Eine Idee, die mich alles andere als erfreute. "Augen betäuben? Wozu?", wollte ich wissen. "Wenn ich das nicht machen, dann springen Sie mir bei dem was ich danach mit Ihnen vorhabe schreiend vom Stuhl." Spitze. Total beruhigend. "Äh. Wie bitte?", entfleuchte es mir, was ihn wiederrum mit den Augen rollen ließ. Erneut seufzte er theatralisch und mumelte, dass es immer die Gleichen seien, die sich bei der Netzhaut-Untersuchung so anstellten. "Immer die dünnen jungen Männer." Großartig, ich war soeben einer mir völlig unbekannten Weich-Ei-Randgruppe beigetreten, und das nur weil ich als vermeintlich mündiger Patient wissen wollte, was der Weißkittel vorhat, aber das wäre nun wirklich etwas viel Selbstbestimmung.

"Los jetzt. Stellen Sie sich nicht so an." Er tropfte mir den Sekundenkleber in die Augen, befahl mir zu zwinkern und wollte wissen: "Brennt's?" - "Ja!", gab ich zurück. - "Immer noch?", bellte er. - "Nein", musste ich zugeben. Dann schmierte  er eine glitschige Paste auf eine kleine Lupe und pappte sie mir direkt auf den Augapfel. "Ok, er hat Recht", dachte ich so bei mir. "Das mit der Betäubung war eine verdammt kluge Idee." Was folgte war nicht angenehm, aber auch nicht weiter erwähnenswert - grelles Licht und aufgerissene Pupillen vertragen sich halt nicht besonders gut.

Nach gestellter Diagnose - "Wie ich vermutet hatte - alles ok. Keine Löcher in der Netzhaut" - wurde mir plötzlich etwas blümerant. Ich wagte, darin eine Nebenwirkung des Sekundenklebers zu sehen. "Quatsch, das ist Ihre Psyche. Hier - ein Traubenzucker. Und packen Sie sich jetzt bloß nicht in Augen. Die sind noch betäubt und sie merken nicht, wenn Sie da was kaputt machen." Mit diesen Worten verabschiedete er sich und flachste nochmal mit den Sprechstundenhilfen über die dünnen jungen Männer.

Vor dem nächsten Augenarztbesuch muss ich dringend mehr essen.

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