Born to be child
Die Chromteile der Harley Davidson funkelten im trüben Licht des diesigen Samstag Nachmittags. Fast schon höhnisch spiegelten sie die Tristesse des Autobahn-Parkplatzes wider, auf dem sich in unüberschaubaren Reihen müde Familiendroschken drängten, deren matter Lack langweilige Geschichten von endlosen Staukilometern im zermürbenden Reiseverkehr erzählten. Der Traum jeden Motorradfahrers dagegen glänzte mit knallrotem Metallic-Lack als ob auch tausende Kilometer im dreckigen Staub der Route 66 nichts an dieser Optik ändern würden.
Neben der Harley stand ein Mann, der nur als Prototyp jedes Fernseh-Bikers bezeichnet werden kann: Die große, verspiegelte Sonnenbrille schien wie festgewachsen in der ledrig-zerfurchten Haut des Gesichtes, an dessen unterem Ende ein gewaltiger Rauschebart sich nicht zwischen Aschgrau und Nikotingelb entscheiden konnte. Mit einer seiner riesigen Pranken nahm er gerade einen visierlosen, mattschwarzen Helm hoch, mit der anderen versuchte er die schweißverklebten silbergrauen Haar-Strähnen zu bändigen. Die Ärmel der uralten Lederjacke rutschten ein Stück nach oben und gaben den Blick frei auf Unterarme, die eigentlich mal Oberschenkel werden sollten. Auf dem rechten prangte - ich schwöre es - ein vom Pfeil durchstoßenes loderndes Herz. Dieser Mann war nicht irgendein Biker. Er war der Biker.
Jacob stand direkt vor dem Kerl und seiner Maschine, betrachtete die Szene mit anerkennendem Blick, streckte langsam den Zeigefinger aus und sagte mit glockenheller Stimmer: "Mofa!"













