Fliegenpilzragout in Darwin's Bistro
Der Briefkasten an dem mein Name steht, wird in letzter Zeit mit Werbung bestückt, die mir gelinde gesagt Angst macht.
Sicher, die Dönerbude um die Ecke darf mir gerne weiterhin ihre Speisenkarte zukommen lassen. Dass mir der türkische Imbiss darin Pizza Calzone (mit Dönerfleisch) oder Insalata Falafel kredenzen möchte - geschenkt. "Im Magen kommt eh alles durcheinander", sagt Vatter immer. Außerdem zeigt es: Multikulti-Europa funktioniert zumindest kulinarisch - sogar mit Türkei. Wobei - die Sache mit der priviligierten Partnerschaft muss ich mir dringend nochmal überlegen, denn die besagte Karte, die mir jüngst in den Briefkasten flatterte, enthielt neben den Werken aus Azurro-Achmeds Fastfood-Küche auch die Einladung zur Halloween-Party in selbigem Etablissement. Die Gruselfete in einem Laden, wo Männer mit Elektrosäbeln an Gammelfleisch rumsensen ist mir dann doch etwas zu viel Realität.
Genauso wenig brauche ich übrigens den Flyer des internationalen Food-Service "Titanic", der mir unlängst aus dem Briefkasten entgegenpurzelte und in dem ein asiatisch-mexikanisch-italienischer Speisenmix feilgeboten wird. Es kann sein, dass ich falsch informiert bin, aber es gab da doch mal dieses Schiff, in dem ein Haufen reicher Schnösel beim Verspeisen erlesenster Importware von einem kleinen Eisberg überrascht wurde und daraufhin größtenteils ertrank - hieß das nicht auch Titanic? Ist es vor diesem Hintergrund clever ein Restaurant nach dem Kahn zu benennen? Nein, ist es nicht.
Den fantastischsten Namen hat sich aber der Besitzer von "Darwin's Bistro" ausgesucht, der neulich seinen Flyer in meinen Briefschlitz steckte. Darwin teilt sich das Bistro übrigens mit seiner Mama, die in der Küche steht und für den "täglich wechselnden Mittagstisch" sorgt. Was es da wohl gibt ...? Fliegenpilzragout, Fingerhutsuppe und Rucolasalat an Kreuzkraut - um dem "Survival of the Fittest" ein bißchen auf die Sprünge zu helfen? Man erfährt es nicht, denn um Kosten zu sparen druckt Darwin keine Speisenkarte ab, sondern teilt sich den zweiseitigen Flyer mit einen örtlichen Gas-Wasser-Scheisse-Service. Spitze.













