Ein Hundeleben (mit Socken)
Mein Verhältnis zu Hunden lässt sich leicht auf den Punkt bringen: Ich mag sie nicht und sie mögen mich nicht. Seit einer unangenehmen Begegnung im Kindesalter gehe ich den vierbeinigen Freunden aus dem Weg, und nachdem ich weiß, dass Hunde aufgrund ihres üppigen Fleischkonsums eine grauenhafte CO2-Bilanz haben, kann ich diese Abneigung sogar wissenschaftlich untermauern.
Meine Freunde Michael und Vanessa sind da ganz anders gestrickt: Sie befreiten zwei unberechenbare Mischlingsdamen aus dem nächsten Tierheim und gleichen deren Klima-Rechnung aus, indem sie selbst auf den Verzehr von Wurst & Co. verzichten.
Einmal im Jahr besuchen Herrchen und Frauchen samt Kläff und Wuff Herrchens Eltern. Letztere sind auch nicht unbedingt ausgewiesene Hundefreunde, haben sich aber zähneknirschend mit der Tatsache arrangiert, dass das einzige derzeit greifbare Enkelähnliche mit dem Schwanz wedelt und bei Regen übel riecht. Seit einiger Zeit haben die Hundegroßeltern eine neue Nachbarskatze, die lebensmüde genug ist durch deren Garten zu spazieren, wann immer es ihr passt. Die beiden Hundedamen rasten natürlich jedes Mal komplett aus, wenn sie den ungebetenen Gast wittern, poltern durch das ganze Haus und kommen wild bellend mit großer Mühe vor der Terrassentür zum Stehen, wobei sie mit ihren Krallen regelmäßig tiefe Bremsspuren im teuren Parkettboden hinterlassen. Oma und Opa sind not amused.
Daher hat Vanessa vor dem jüngsten Besuch Hundesocken gestrickt. Acht Stück. Meine Einlassung, dass es wesentlich einfacher wäre die Katze zu erschießen wurde von den beiden Tierfreunden brüsk zurückgewiesen. Also reiste Familie Bello dieses Mal frisch besockt zu den Großeltern. Nun gibt es ja allerhand Begriffe wie blöder Hund, hundsmiserabel, hundsgemein oder hundemüde. Nur hundsgescheit oder Schlauhund sind aus gutem Grund nicht dabei. Und so kommt was kommen musste: Die Katze spaziert wieder durch den Garten, die Hunde flippen wieder aus, hetzen zum Fenster und wollen wie gewohnt in letzter Minute den Krallenanker ins Parkett nageln, was jedoch wie geplant an der neuen Pfotenumpuschelung scheitert. Die beiden Wauwaus semmeln also mit Vollgas gegen die Terrassentür, die Katze lacht sich kaputt, die Scheibe hat einen Sprung sowie zwei schicke Schnauzenabdrücke. Und vor dem nächsten Heimatbesuch werden Kläff und Wuff ins Pfötchenhotel gebracht.
Dieser Text wurde im Original für den Blickpunkt Balve verfasst.















