Ein Hundeleben (mit Socken)
Veröffentlicht am 18.01.10, 22:27 Uhr im Bereich "
GEDACHTES"
Mein Verhältnis zu Hunden lässt sich leicht auf den Punkt bringen: Ich mag sie nicht und sie mögen mich nicht. Seit einer unangenehmen Begegnung im Kindesalter gehe ich den vierbeinigen Freunden aus dem Weg, und nachdem ich weiß, dass Hunde aufgrund ihres üppigen Fleischkonsums eine grauenhafte CO2-Bilanz haben, kann ich diese Abneigung sogar wissenschaftlich untermauern.
Meine Freunde Michael und Vanessa sind da ganz anders gestrickt: Sie befreiten zwei unberechenbare Mischlingsdamen aus dem nächsten Tierheim und gleichen deren Klima-Rechnung aus, indem sie selbst auf den Verzehr von Wurst & Co. verzichten.
Einmal im Jahr besuchen Herrchen und Frauchen samt Kläff und Wuff Herrchens Eltern. Letztere sind auch nicht unbedingt ausgewiesene Hundefreunde, haben sich aber zähneknirschend mit der Tatsache arrangiert, dass das einzige derzeit greifbare Enkelähnliche mit dem Schwanz wedelt und bei Regen übel riecht. Seit einiger Zeit haben die Hundegroßeltern eine neue Nachbarskatze, die lebensmüde genug ist durch deren Garten zu spazieren, wann immer es ihr passt. Die beiden Hundedamen rasten natürlich jedes Mal komplett aus, wenn sie den ungebetenen Gast wittern, poltern durch das ganze Haus und kommen wild bellend mit großer Mühe vor der Terrassentür zum Stehen, wobei sie mit ihren Krallen regelmäßig tiefe Bremsspuren im teuren Parkettboden hinterlassen. Oma und Opa sind not amused.
Daher hat Vanessa vor dem jüngsten Besuch Hundesocken gestrickt. Acht Stück. Meine Einlassung, dass es wesentlich einfacher wäre die Katze zu erschießen wurde von den beiden Tierfreunden brüsk zurückgewiesen. Also reiste Familie Bello dieses Mal frisch besockt zu den Großeltern. Nun gibt es ja allerhand Begriffe wie blöder Hund, hundsmiserabel, hundsgemein oder hundemüde. Nur hundsgescheit oder Schlauhund sind aus gutem Grund nicht dabei. Und so kommt was kommen musste: Die Katze spaziert wieder durch den Garten, die Hunde flippen wieder aus, hetzen zum Fenster und wollen wie gewohnt in letzter Minute den Krallenanker ins Parkett nageln, was jedoch wie geplant an der neuen Pfotenumpuschelung scheitert. Die beiden Wauwaus semmeln also mit Vollgas gegen die Terrassentür, die Katze lacht sich kaputt, die Scheibe hat einen Sprung sowie zwei schicke Schnauzenabdrücke. Und vor dem nächsten Heimatbesuch werden Kläff und Wuff ins Pfötchenhotel gebracht.
Dieser Text wurde im Original für den Blickpunkt Balve verfasst.
Kommentar von Volker
Geschrieben am 19.01.10, 06:45 Uhr
Roflmfao!
Ganz deiner meinung. Einige Hunde essen liebend gerne die Scheisse anderer Hunde. Und ihre eigene. Manche mögens so frisch wie möglich, andere lieben es fest und staubig. Wie kann man sich mit so einem Tier identifizieren??
Kommentar von Michael
Geschrieben am 31.01.10, 14:38 Uhr
Hehe, sehr schön aufgepimpt, die Geschichte! Da wollen wir doch mal hoffen, dass das Balver Blättchen nicht aus Recherchegründen noch einmal nachforscht... .
Vanessa hat die Socken übrigens nicht selbst gestrickt (ich glaube, diese Technik beherscht sie gar nicht, sonst würden unsere Tölen bei diesen Temperaturen schon längst nicht mehr nur Socken tragen ;-) ), sondern im Tierfachhandel käuflich erworben. Die Scheibe ist auch ganz geblieben, ebenso wie der davor stehende Weihnachtsbaum samt Schmuck, was aber daran lag, dass Oma und Opa extra für den Hundebesuch die unteren beiden Lagen des Baums ungeschmückt ließen - fast schon bekloppt genug für eine eigene Kolumne!! Opas Reaktion auf die Kratzer im Parkett nach dem vorletzten Besuch waren übrigens amuseder als unsere eigene: "Ach, so'n Boden ist doch ein Gebrauchsgegenstand, und außerdem kümmert Ihr Euch ums nervige Parkett-Abschleifen mal schön selbst, wenn Ihr die Bude erbt!"
Die Identifikation mit unseren durchgedrehten Hunden hat zum Glück noch gar nicht statt gefunden, das Scheiße-Verputzen scheinen sie auch noch nicht für sich entdeckt zu haben - obwohl, der Hund mit den (noch) wenigeren Gehirnzellen verspeist gerne mal in unbeobachteten Situationen den Output unseres Kaninchens, aber das ernährt sich ja auch vegetarisch, kann also nicht so schlimm sein, oder?!?
P.S.: Mein Bekannter John hatte übrigens mal eine Katze namens "Selbstmord", die ihren Namen dem Umstand verdankte, dass sie gelegentlich mal am Versuch scheiterte, durch das geschlossene Fenster herauszu"spazieren" - clever!
Kommentar von Vanessa
Geschrieben am 31.01.10, 17:21 Uhr
Hier ist Vanessa, bekennende Tierliebhaberin und (Fast-)Vegetarierin.
Etwas muss noch erwähnt werden: Die beiden Hundedamen haben sich natürlich am laufenden Meter die (teuren!) Hundeschuhe von den Pfoten geholt und sind kein einziges Mal Richtung Scheibe gerannt, da wir Weihnachten bei heruntergelassenen Rollos im gemütlichen Dunkel verbracht haben.
Der Gang der gequälten Tiere sah außerdem aus wie Störche im Salat. Keiner hat es zugegeben, aber alle fanden´s süß. Und Opa hat den Beiden heimlich unterm Tisch Streicheleinheiten und etwas vom Festtagsmenü zugesteckt.
Und ja, mir war es auch peinlich, bei Fressnapf zu fragen: "Äh, Entschuldigung, haben Sie vielleicht auch Hundeschuhe..?!"
Und nein, ich kann definitiv nicht stricken!
Kommentar von Eba
Geschrieben am 23.02.11, 23:08 Uhr
Wie bei uns zuhause- nur ohne Parkett, aber mit gleicher CO2 Bilanz ;-) Und die Terassentür machen wir auch vorher auf damit die Katze abzischt und unsere Fische und Vögel in Ruhe lässt...
Michael und Vanessa- Brüder im Geiste...
Kommentar von nnynokwj
Geschrieben am 27.03.13, 17:42 Uhr
C3DaHu cedglhcnmtso
Kommentare
Meinungen oder Kommentare zu diesem Thema?
Gerne, aber bitte ohne Beschimpfungen, Parolen oder Dummheiten.