CD-Review: A Camp - Colonia

2001 nutzte Cardigans-Frontfrau Nina Persson eine Band-interne Pause um gemeinsam mit ihrem Gatten Nathan Larson und dem befreundeten Musiker Niclas Frisk unter dem Namen "A Camp" eine umwerfende Solo-Platte zu veröffentlichen, die mit ihrem Country-lastigen Sound für einige Überraschungen sorgte. Acht Jahre später haben die Cardigans den A-Camp-Sound wie selbstverständlich in das Songwriting ihrer letzten beiden Platten einfließen lassen - Zeit also "A Camp" wieder aufleben zu lassen um neue Wege zu gehen.
Mit "Colonia" steht jetzt dieses zweite Werk des schwedischen Trios in den Regalen und tatsächlich: Die Singer-Songwriter-Klängen des selbstbetitelten Debuts finden sich auf der neuen Scheibe nur noch selten wieder. Epische und atmosphärische Töne, reduziertes Songwriting und eine Rundreise durch verschiedene Musikepochen stehen im Mittelpunkt der Platte, die bei Weitem nicht so zugänglich ist wie das Vorgängerwerk aber dennoch auch beim ersten Durchlauf schon tolle Momente bietet. Über allem schwebt natürlich die fantastische Stimme Perssons, die bei Sixties-Pop ("Here Are Many Wild Animals") oder Dixieland-Sounds ("My America") genauso überzeugend funktioniert wie bei Ausflügen in asiatische Gefielde ("Chinatown") oder in die Welt des Schmacht-Duetts ("Golden Teeth And Silver Medals").
Die größte Spezialität der Wahl-New-Yorkerin kommt auch auf dieser Platte wieder hervorragend zur Geltung: böse Texte mit zuckersüßen Melodien zu garnieren und durch den Charme ihrer Stimme bittere Ironie zu kaschieren: "Let's raise our glasses to murderous asses like you" besingt sie die Monarchie in "The Crowning" oder zeichnet in der ersten Single-Aukopplung "Stronger than Jesus" ein seltsames Bild von der Liebe: Don’t you know love is stronger than Jesus; Don’t you know love can kill anyone; So bring it on, wars and diseases; You know that love can do you like a shotgun."
Gerade diese erste Single, aber auch "The Crowning" oder "Love has left the room", ein Song der auch gut aus der Feder der Hauptband hätte stammen können, sorgen für eine starke erste Hälft der Platte. Leider fällt das Niveau zum Ende etwas ab - für Fans der Sängerin ist "Colonia" aber ohnehin ein Muss.
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Das Review wurde übrigens für GetAddicted verfasst.













