Konzert-Review: A Camp live im Luxor Köln

Für den Auftakt ihrer Deutschland-Tour konnten sich "A Camp" eigentlich keinen besseren Ort aussuchen: Ein Album mit dem Namen "Colonia" muss einfach zuerst in Köln vorgestellt werden. Erwartungsgemäß begrüßt Cardigans-Sängerin Nina Persson die Besucher ihrer Solo-Tour im kleinen aber gut gefüllten Kölner Luxor mit einem charmant gehauchten "Hello Colonia". Das Stimmwunder aus Schweden hat es sich mit ihrer Band - neben Persson gehören ihr Gatte Nathan Larson und der Multi-Instrumentalist Niclas Frisk zur Stammbesetzung - auf der Bühne des Clubs äußerst behaglich eingerichtet. Stehlampen sorgen für gemütliches Schummerlicht und ein Caféhaus-Tisch ergänzt die Wohnzimmeratmosphäre, während die großen schwarzen Federn am Bühnenrand etwas deplatziert wirken. Die Glitzerschriften "A Camp" und "1699" zeigen dagegen eindeutig wohin der Weg geht: "Colonia" ist ein Album der musikalischen Zeiten- und Stilreise - und beginnt sowohl in der Studioversion als auch an diesem Abend mit "The Crowning" - einem musikalischen Ausflug zum Ende des 17. Jahrhunderts.
Aber nicht nur das aktuelle Album, auch das acht Jahre alte Vorgängerwerk kommt natürlich zum Zug. Und so gibt's gleich nach dem Opener und "Love has left the room" mit "Frequent Flyer" den ersten Song vom Debüt. Schnell wird klar: So unterschiedlich die beiden Platten auch klingen, live fügt sich alles wieder zu einem homogenen Soundbild und Ninas einzigartige Stimme ist der Kitt, der das fragile Gefüge zusammenhält. Im Vergleich zur letzten Cardigans-Tour gibt sich die Wahl-New-Yorkerin dabei recht publikumsnah und fast schon in Plauderlaune. Wer sich zum Beispiel gefragt hat, welchem Star der Song "My America" gewidmet ist, für den hat Frau Persson eine Antwort: "A year ago. Or maybe half a year or six weeks ago - I made out with Bill Clinton. It's true. I can't forget him. Here's a song about that."
Ehemann Larson scheint das nicht weiter gestört zu haben. Er hält sich an diesem Abend auf jeden Fall vornehm zurück und gönnt sich nur beim Intro zu "China Town" einen kleinen Ausflug in sein eigentliches Metier, den Filmsoundtrack. Ansonsten gehört der Abend verständlichweise der kleinen Frau mit der großen Stimme.
Das Vorpogramm des Abends besorgte übrigens der schwedische Alternative-Songwriter Kristofer Åström, der bei "Golden Teeth and silver medals" noch einmal auf die Bühne kommt und den männlichen Gesangspart übernimmt, den auf CD Nicolai Dunger geliefert hatte. Auch beim 2001er-Hit "I can buy you" darf Åström noch einmal in die Saiten greifen und die Band unterstützen.
Bei bislang zwei veröffentlichten Alben fällt die Songauswahl des Abends nicht weiter schwer: Die neue Platte wird fast komplett zu Gehör gebracht und vom Erstling gibt es eine nette Auswahl - zum Beispiel "Angel of Sadness", "Algebra" und "Rock'n'Roll Ghost". Wer Cardigans-Songs erwartet hat, der wird enttäuscht, aber "A Camp" spielen eine etwas gewöhnungsbedürftige Coverversion von Grace Jones' und Marianne Faithfulls "I've Done It Again". Darüber hinaus steht als zweite Zugabe David Bowies "Boys keep swinging" auf dem Programm, wobei es die Band das einzige Mal ein bißchen krachen lässt. Umso ruhiger dann der Abschluss: Der letzte Song des neuen Albums, "The weed had got there first", bildete auch den musikalischen Abschluss für diesen runden Abend.
Dieses Review wurde übrigens für GetAddicted verfasst.













