CD-Review: Dredg - The Pariah, The Parrot, The Delusion

"Information" war pure Irreführung. Wer anhand des vorab veröffentlichten Songs vermutet hatte, Dredg wären nach dem ohnehin schon etwas massentauglicheren "Catch without arms"-Album nun endgültig im Mainstream angekommen, der lag daneben. Völlig daneben. Der vermeintliche Allerweltsohrwurm der Single-Auskopplung ist eine absolute Ausnahme auf "The Pariah, The Parrot, The Delusion". Den Rest des neuen Albums muss sich der Zuhörer hart erarbeiten.
Ausnahmesänger Gavin Hayes und seine Mitstreiter machen es den Leuten nicht leicht, die 17 Songs zu lieben. Nur wenige Momente erinnern noch an das grandiose Vorgängerwerk - "Ireland" etwa ist eine Nummer, bei der "Catch ..." noch einmal durchschimmert. In anderen Momenten schrauben Dredg die Zeit Richtung "El Cielo" und "Leitmotif" zurück, was ihnen viele Fans vermutlich danken werden. Dennoch vergehen sich die Kalifornier nicht an ihrer eigenen Vergangenheit, sondern schaffen es, ihren Sound auf eine neue Stufe zu heben.
In den als "Stamp of Origin" umschriebenen Zwischenparts klingen Dredg dabei seltsam nach neueren Marillion-Scheiben, an anderer Stelle ("Long Days And Vague Clues","Gathering Pebbles") lassen sie gelegenlich sogar Szene-Helden wie Porcupine Tree auf der ProgRock-Autobahn hinter sich.
Insgesamt eine unglaublich abwechslungsreiche Scheibe, die den Zuhörer beim ersten Durchlauf definitiv überfordert, aber wer dem Werk etwas Zeit gibt, der entdeckt in den anfänglich vielleicht als Geplätscher abgetanenen Songfragmenten unsterbliche Melodien, die das Album zu einem wirklichen Meisterwerk erheben. Dredg eben. Alles andere wäre auch eine Enttäuschung gewesen.
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