Konzert-Review: Heather Nova live beim Zeltfestival Ruhr 2009

Das hatte die zierliche Frau von den Bermudas nicht verdient. Im Zelt No. 2 des Zeltfestivals Ruhr klafften merkliche Publikumslücken als Heather Nova und ihre Band die Bühne betraten. Großzügig geschätzt war das Zelt zu zwei Dritteln gefüllt. Am Tag zuvor als die wiedervereinte Selig hier ihren Tourabschluss feierten, hatte es das von der Decke tropfende Schweiss-Kondensat schwer, eine freie Stelle für die Landung zu finden. Diese Gefahr bestand beim Auftritt der 42-jährigen Songwriterin nicht. Daran änderte auch der Bochumer Alex Milla mit seinem Naidoo-esken Gewimmere im Vorprogramm nicht wirklich viel. Eher im Gegenteil.
Frau Nova - beziehungsweise eigentlich ja Frau Frith - ließ sich davon aber nichts anmerken und machte ihr Ding. Professionell, etwas distanziert, unglaublich schön und vor allem mit Atem raubendem Gesang. Ob sie neuere Songs wie "Redbird" spielt, Hits wie "London Rain" oder Lieder vom ersten Erfolsgalbum "Oyster" - sie trifft einfach jeden Ton, sieht dabei so entspannt aus, als könne sie nebenbei noch ein Buch lesen und konnte sich zudem auf eine extrem gut eingespielte Begleitband verlassen. Fast hätte man vermuten müssen, dass die Zauberstimme der Sängerin vom Band kommen muss, so perfekt war ihr Vortrag. Doch als ob sie beweisen musste, dass alles echt ist, langte Heather Nova zu Beginn ihres kleinen Akustik-Sets in der Mitte des Konzerts einmal kräftig daneben und erntete dafür sogar ein anerkennendes Lächeln der Mitmusiker. "Puh, die Chefin macht auch mal einen Fehler."
Doch gerade dieses gut gemeinte Akustik-Set mit Stücken vom letzjährigen "The Jasmin Flower" zeigte trotz des hohen künstlerischen Niveaus die Schwächen eines Heather-Nova-Auftrittes auf: Die Faszination über die unglaubliche Stimme dieser Frau trägt nicht über die komplette Länge eines Konzertes. Und wenn diese Faszination erstmal verblasst ist, dann bleiben halt nur noch nette, aber relativ gewöhnliche Pop-Rock-Songs irgendwo zwischen Singer-Songwriter und Country übrig.













