Buchkritik: Dancing Shoes

Es gibt so Bücher, bei denen man sich unweigerlich fragt: Wer kauft das? Der Bildband "Dancing Shoes" des Fotografen Gerrit Starczewski gehört wohl dazu. Denn der Oberhausener hat sein Werk der Fußbekleidung von Alternativ- und Rockmusikern gewidmet. Und spätestens seit Al Bundy wissen wir: Männer, die sich beruflich mit Schuhen beschäftigen, stehen nicht auf der Sonnenseite des Lebens.
Während die Anderen im Fotograben vor der Bühne versuchen, das möglichst perfekte Poserfoto von Sänger oder Gitarrist einzufangen richtet der 23-Jährige seine Linse auf den Boden. Dort fängt er meist wenig Überrarschendes ein: Sneakers zum Schnüren oder Kletten, gerne und oft abgeranzte Chucks, auch mal Cowboystiefel oder Lackschühchen im Metallic-Look.
Etwas extravaganter wird es - wen wundert's - wenn Frauen die Bühne besiedeln, dann gibt es schon mal Hochhackiges wie bei Kim Gordon, Verwirrendes wie von Roisin Murphy oder Unappetitliches à la Beth Ditto. Bei einem Barfuss-Mitglied von Lo-Fi-Fnk wuchert das Nagelhorn um die Ecke, und die Schuhe von den Black Lips würde nicht mal ein ausgewachsener Heckenpenner frewillig tragen. Hätte ich ohne dieses Wissen weiterleben können? Unbedingt!
Gewidmet ist das Buch übrigens dem Opa des Fotografen, der ihm mit auf den Weg gegeben hat: "Das Wichtigste bei einem Mann sind die Schuhe, Gerrit. Sie müssen glänzen und frisch gewichst sein." An dieses Credo hält sich fast keiner der porträtierten Latschen, aber was will man erwarten - ist halt Rock'n'Roll.
Fazit: Ein nett aufgemachtes Buch, das man gerne mal durchblättert, dann aber auch genauso gerne in die Ecke legt, und nur noch hervorkramt um es dem Besuch zu zeigen: "Guck mal wie ekelig, die Black Lips und Beth Ditto."
Erschienen 2009 bei Edel:Rockbuch.
ISBN: 978-3-941376-07-6













