Konzert-Review: Alice in Chains live im FZW Dortmund
Superlative sollten in der Regel zwar möglichst überlegt und sparsam eingesetzt werden, aber im Fall "Alice in Chains" ist der Titel "Bestes Comeback 2009" nicht nur angesichts des sich dem Ende neigenden Jahres absolut angebracht. Das stellten die Amerikaner im Dortmunder FZW jetzt auch live eindrucksvoll unter Beweis.
Nachdem Kurt weiland die Knarre küsste wurde landauf landab der Tod des Grunge postuliert, und tatsächlich verabschiedete sich ziemlich flugs alles was mal irgendwann mit Karohemd, Kinnbart und Kopfsocke kommerziell erfolgreich war. Chris Cornells jüngste Solo-Eskapaden begraben jede Hoffnung auf eine Wiederkehr der wundervollen Soundgarden, Pearl Jam sind schon seit Jahren so etwas wie das akustische gute Gewissen für Versicherungsangestellte und klingen dabei noch langweiliger als ihre Gut-Menschen-Vorbilder von U2, und Layne Staley tat es anderen Grunge-Helden gleich, als er sich mit der Nadel im Arm aus dem Staub machte. Mit seiner unvergleichlichen Stimme war der Alice-in-Chains-Frontmann zwar Identifikationsfigur für die Fans, aber anders als Cobain bei Nirvana war Staley nicht alleiniger Songwriter und Sänger: Gitarrist Jerry Cantrell sorgte für einen Großteil der Songs, und mit seiner Zweitstimme auch für den ganz speziellen AIC-Sound.
Mit Sänger William DuVall hat die Originalbesetzung jetzt einen neuen Mann am Mikro, der nicht nur den alten Songs in respektvoller Interpretation neues Leben einhaucht, sondern mit dem auch enorm intensive und eingängige neue Stücke entstanden sind. Das Album "Black Gives Way to Blue" hat nichts von den sonst üblichen "Nochmal-schnell-Kohle-machen"-Werken mancher Kollegen, sondern kann selbst dem Alice-in-Chains-Klassiker "Dirt" das Wasser reichen.
Die Erwartungshaltung war daher vor dem Konzert im neuen Dortmunder FZW durchaus hoch, doch als zu Versatzstücken von Black Sabbath's "Iron man" die ersten morbiden Bilder über den Bühnenhintergrund flackerten und die Band mit "Rain when I die" auf die Bühne knallte, waren alle eventuellen Zweifel weggewischt. Mit "Them bones" gab es dann gleich einen zweiten "Dirt"-Song hinterher - überhaupt nahm das zweite Studioalbum einen Großteil des Abends ein: Angry Chair, Dam that river, Would? - selbstbewusst, eigenständig und doch mit einem Tick Staley-Hommage in der Stimme rockte William DuVall die Klassiker von der Bühnenmitte aus, während er bei den neuen Songs mit Gitarre bewaffnet zur Seite trat und Jerry Cantrell den Frontpart überließ. Mal abgesehen von diesem Erkennungsmerkmal mischten sich die neuen Lieder perfekt in das Set der frühen Songs.
So wechselte sich Aktuelles wie "Your Decision", "Check my brain" und "Acid Bubble" munter mit den zeitlosen Granaten "Man in the box", "Love, Hate, Love" und "It Aint Like That" ab. Vom letzten Staley-Werk, dem selbstbetitelten Album "Alice in Chains", gab es überraschenderweise nur "Again" und "God am", aber dafür streuten die Seattle-Veteranen einen Mini-Akustik-Set ein, in dem "No Excuse" und "Down in a hole" von den rund 2000 Zuschauer gebührend abgefeiert wurden. Den perfekten Abschluss des Zugabenteils konnte nach gut anderthalb Stunden natürlich nur der Hit "Rooster" bilden.
Übrigens ließen nicht nur die Songauswahl und Zusammenspiel der Band kaum Wünsche offen, auch der Sound im FZW war hervorragend. Der extrem transparante Klangmix brachte jedes Instrument und jede Stimme perfekt zur Geltung.













