Konzert-Review: Anathema & Anneke van Giersbergen live in der Matrix Bochum

Draußen kämpft die Sonne an diesem Samstag noch mit schwindender Kraft um die letzten Stunden des Spätsommers. Drinnen - im Keller der Matrix - ist dieser Kampf schon längst verloren, denn am Abend hält dort der Herbst Einzug, in seiner musikalisch schönsten Form: Anathema stehen sechs Jahren nach ihrem letzten Besuch wieder auf der Bühne des Bochumer Clubs.
Bevor die Briten zu ihrer fast zweieinhalbstündigen Reise durch das Anathema-Universum aufbrechen, darf ein Mann vor das Bochumer Publikum treten, den die wenigsten kennen, der aber vielen an diesem Abend im Gedächtnis bleiben wird: Petter Carlsen. Der Singer/Songwriter ist von den mehr als positiven Reaktionen der rund 700 Zuschauer so überwältigt, dass er sich erstmal eine Träne verdrücken muss, und auch seine weibliche Begleitstimme Anneke von Giersbergen klatscht respektvoll Beifall für die traurige "Alles-wird-gut"-Mucke des Mannes aus Nordnordwegen. Nachdem Carlsen sich verabschiedet hat, darf Anneke - auch bekannt als frühere Stimme der niederländischen Band The Gathering - alleine das Mikro übernehmen. Mit Songs ihrer Solo-Band Aqua de Annique, der U2-Nummer "All I Want Is You" und dem Gathering-Song "My Electricity" hat die sympathische Frau mit der noch sympathischeren Stimme den Laden aber schnell im Griff.
Dann Anathema: Sänger und Gitarrist Vincent Cavanagh, seine Brüder Danny (Lead) und Jamie (Bass) sowie Drummer John Douglas und Les Smith am Keyboard starten mit dem Opener ihres neuen Albums "We're Here Because We're Here" und haben tatsächlch die Eier, nach "Thin Air" noch drei weitere Songs des neuen Albums nachzulegen. Das Publikum nimmt es dem Quintett keineswegs übel, sondern kennt die neue Scheibe scheinbar schon in- und auswendig. Die von Porcupine-Tree-Oberfrickler Steven Wilson produzierten Songs sorgen auch live für amtliche Atmosphäre, lassen aber ziemlich deutlich durchblicken, wer da an den Reglern gesessen hat.
Nachdem das neue Album ausgiebig gewürdigt wurde, kündigt Vincent an, dass man sich jetzt sukzessive durch die Diskographie nach unten arbeiten werde, wenn niemand was dagegen habe und legt mit "Closer", "Balance" und "A Natural Disaster" den letzten offizielle Longplayer aus dem Jahr 2003 auf. Und so geht es weiter: "A fine day to exit", "Judgement" und "Alternative 4" werden ausgiebig ausgeschlachtet und mit Material der neuen Platte gemischt - dann ist allerdings Schluss, denn erstens steht die Band schon seit knapp 150 Minuten auf der Bühne und zweitens sind wir inzwischen im Jahr 1997 angekommen, und davor war die Band eher für heftigere Töne bekannt, was das Konzept des Abends wohl etwas gesprengt hätte. Ein feiner Start in den Herbst.
Dieses Review wurde übrigens für GetAddicted verfasst. Dort gibt es auch noch weitere Fotos von dem Konzert.













