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Konzert-Review: Dredg live in der Zeche Bochum

Gavin Hayes live in der Zeche Bochum (16. Juni 2009)

Wenn Dredg die Bochumer Zeche gleich für zwei Abende buchen müssen, um alle Ticketwünsche erfüllen zu können, dann ist das hoffentlich nicht nur der Tatsache geschuldet, dass die Kalifornier mit ihrer aktuellen Single-Auskopplung "Information" aus unerfindlichen Gründen gerade im deutschen Unterschichten-Fernsehen stattfinden.

Und wenn dem doch so ist, dann haben eben jene Deppen, die sich zu "Information" freudig hüpfend die Seele aus dem Leib pogten es verdient. Sie haben es verdient, dass dieser Song mit seinem schmerzhaft wummernden Keyboard-Bass an diesem Abend einen fürchtlichen Sound hatte, der einem an der Innenwand des Schädels kratzte. Sie haben es verdient, dass sie nicht merkten, wie unendlich viel großartiger alle anderen Songs sind, und sie haben es verdient doof aus der Wäsche zu gucken als es wie immer keine Zugabe gibt.

Während die Zeche beim Gig am 11. Juni aus allen Nähten platzte, wäre beim Zusatztermin fünf Tage später noch Platz für ein paar Leute mehr, aber das tut der Größe des Abends keinen Abbruch. Mal abgesehen von dem erwähnten "Information"-Reinfall ist der Sound durchweg grandios und unterstützt das Ausnahme-Quartett beim Abfeiern der runden 90 Minuten in denen sie einen Querschnitt aus den drei letzten Studio-Alben bieten und mehr oder weniger nebenbei auf das neue Album "The Pariah, the Parrot, the Delusion" eingehen. Doch auch wenn das Werk in den Kritiken sehr unterschiedlich aufgenommen wird, zünden die neuen Songs in Bochum hervorragend. "Ireland", "Pariah" und "Saviour" passen sich bestens ins Gesamtkonzept ein, und selbst vermeintliches Album-Füllmaterial wie "R U OK" oder die "Stamp of Origin"-Intermezzi lassen keine Langeweile aufkommen, was natürlich auch an der intensiven Bühnenpräsenz vom etwas mopsig gewordenen Sänger Gavin Hayes und dem Schlagzeugwahninnigen Dino Campanella liegt.

Drew Roulette live in der Zeche Bochum (16. Juni 2009)Letzter hält sich übrigens ganz artig im Hintergrund - weder Air-Drumming noch Solo mit Set-Abbau gehören an diesem Abend zum Programm. Zu tun bekommt Campanella natürlich trotzdem genug, denn gleich beim Opener "The canyon behind her" vom "El Cielo"-Meisterwerk fällt so Manchem die Kinnlade runter ob des Irrsinns, den der Mann hinter der Schießbude produziert. Mit "Sang Real", "Bug Eyes", "Same Ol' Road" und "Planting Seeds" gibt es gleich noch vier bekannte Ohrenputzer hinterher und auch im weiteren Verlauf wird mit "Brushstroke: New Heart Shadow","Trinagle" und "Ode to the Sun" oder "Catch without arms" nicht mit bewährtem Live-Material geknausert. Das Ende des Abends gehört dann ganz der neuen CD: "Down to the cellar" und "Stamp of Origin: Horizon" bilden sowohl den Abschluss des aktuellen Siberlings als auch für ein annähernd perfektes Konzert - übrigens die einzige Überschneidung mit der ansonsten komplett anders gestrickten Setlist vom ersten Bochumer Abend.

Dieses Review wurde übrigens für GetAddicted verfasst.

Weitere Bilder zu diesem Thema in der Galerie "Dredg"

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CD-Review: Placebo - Battle for the sun

Placebo - Battle for the sun

Es ist schon wirklich beeindruckend mit welcher Kontinuität die Band um Sänger Brian Molko hervorragende Alben unters Volk bringt und ihrem Namen ("Ich gefalle") alle Ehre macht.

Das neue Werk "Battle for the sun" steht den Vorgänger-Alben hierbei in nichts nach - im Gegenteil: Selbst gemessen am an Hits nicht armen Placebo-Kosmos ist "Battle for the sun" ein absolutes Killer-Album. Mit ihrer ersten Single-Auskopplung "For What It's Worth" beweisen die Londoner zwar erneut ihr Händchen für melancholische Ohrwürmer, aber sie hätten fast jeden anderen der insgesamt 13 Songs vorausschicken können.

"Ashtray Heart" - übrigens benannt nach dem ersten Bandnamen, bevor sich die Band Placobe nannte - "Devil In The Details", The Never-Ending Why", "Happy You're Gone" und "Breathe Underwater" erwischen den Zuhörer sofort mit der vollen Breitseite, die restlichen Stücke brauchen auch nur einen Durchlauf mehr.

Das schwermütig-episches Komplett-Paket kommt ohne Ausfälle oder Füller daher und reißt von der ersten bis zur letzten Minute mit. Das gilt natürlich nur für Menschen, die sich für Placebo und ihren durch Molkos außergewöhnliche Stimme getragenen Stil erwärmen können. Wem der androgyne Mann und sein näselndes Organ bisher nicht in den Kram passten, der wird auch um diese Scheibe einen weiten Bogen machen müssen, aber ihm entgeht dabei ein Album, das schon bald das Etikett "Klassiker" tragen dürfte.

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CD-Review: Dredg - The Pariah, The Parrot, The Delusion

Dredg -  The Pariah, The Parrot, The Delusion

"Information" war pure Irreführung. Wer anhand des vorab veröffentlichten Songs vermutet hatte, Dredg wären nach dem ohnehin schon etwas massentauglicheren "Catch without arms"-Album nun endgültig im Mainstream angekommen, der lag daneben. Völlig daneben. Der vermeintliche Allerweltsohrwurm der Single-Auskopplung ist eine absolute Ausnahme auf "The Pariah, The Parrot, The Delusion". Den Rest des neuen Albums muss sich der Zuhörer hart erarbeiten.

Ausnahmesänger Gavin Hayes und seine Mitstreiter machen es den Leuten nicht leicht, die 17 Songs zu lieben. Nur wenige Momente erinnern noch an das grandiose Vorgängerwerk - "Ireland" etwa ist eine Nummer, bei der "Catch ..." noch einmal durchschimmert. In anderen Momenten schrauben Dredg die Zeit Richtung "El Cielo" und "Leitmotif" zurück, was ihnen viele Fans vermutlich danken werden. Dennoch vergehen sich die Kalifornier nicht an ihrer eigenen Vergangenheit, sondern schaffen es, ihren Sound auf eine neue Stufe zu heben.

In den als "Stamp of Origin" umschriebenen Zwischenparts klingen Dredg dabei seltsam nach neueren Marillion-Scheiben, an anderer Stelle ("Long Days And Vague Clues","Gathering Pebbles") lassen sie gelegenlich sogar Szene-Helden wie Porcupine Tree auf der ProgRock-Autobahn hinter sich.

Insgesamt eine unglaublich abwechslungsreiche Scheibe, die den Zuhörer beim ersten Durchlauf definitiv überfordert, aber wer dem Werk etwas Zeit gibt, der entdeckt in den anfänglich vielleicht als Geplätscher abgetanenen Songfragmenten unsterbliche Melodien, die das Album zu einem wirklichen Meisterwerk erheben. Dredg eben. Alles andere wäre auch eine Enttäuschung gewesen.

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Konzert-Review: A Camp live im Luxor Köln

Nina Persson / A Camp live in Köln, 13.04.2009

Für den Auftakt ihrer Deutschland-Tour konnten sich "A Camp" eigentlich keinen besseren Ort aussuchen: Ein Album mit dem Namen "Colonia" muss einfach zuerst in Köln vorgestellt werden. Erwartungsgemäß begrüßt Cardigans-Sängerin Nina Persson die Besucher ihrer Solo-Tour im kleinen aber gut gefüllten Kölner Luxor mit einem charmant gehauchten "Hello Colonia". Das Stimmwunder aus Schweden hat es sich mit ihrer Band - neben Persson gehören ihr Gatte Nathan Larson und der Multi-Instrumentalist Niclas Frisk zur Stammbesetzung - auf der Bühne des Clubs äußerst behaglich eingerichtet. Stehlampen sorgen für gemütliches Schummerlicht und ein Caféhaus-Tisch ergänzt die Wohnzimmeratmosphäre, während die großen schwarzen Federn am Bühnenrand etwas deplatziert wirken. Die Glitzerschriften "A Camp" und "1699" zeigen dagegen eindeutig wohin der Weg geht: "Colonia" ist ein Album der musikalischen Zeiten- und Stilreise - und beginnt sowohl in der Studioversion als auch an diesem Abend mit "The Crowning" - einem musikalischen Ausflug zum Ende des 17. Jahrhunderts.

Aber nicht nur das aktuelle Album, auch das acht Jahre alte Vorgängerwerk kommt natürlich zum Zug. Und so gibt's gleich nach dem Opener und "Love has left the room" mit "Frequent Flyer" den ersten Song vom Debüt. Schnell wird klar: So unterschiedlich die beiden Platten auch klingen, live fügt sich alles wieder zu einem homogenen Soundbild und Ninas einzigartige Stimme ist der Kitt, der das fragile Gefüge zusammenhält. Im Vergleich zur letzten Cardigans-Tour gibt sich die Wahl-New-Yorkerin dabei recht publikumsnah und fast schon in Plauderlaune. Wer sich zum Beispiel gefragt hat, welchem Star der Song "My America" gewidmet ist, für den hat Frau Persson eine Antwort: "A year ago. Or maybe half a year or six weeks ago - I made out with Bill Clinton. It's true. I can't forget him. Here's a song about that."

Ehemann Larson scheint das nicht weiter gestört zu haben. Er hält sich an diesem Abend auf jeden Fall vornehm zurück und gönnt sich nur beim Intro zu "China Town" einen kleinen Ausflug in sein eigentliches Metier, den Filmsoundtrack. Ansonsten gehört der Abend verständlichweise der kleinen Frau mit der großen Stimme.

Kristofer Åström live in Köln, 13.04.2009Das Vorpogramm des Abends besorgte übrigens der schwedische Alternative-Songwriter Kristofer Åström, der bei "Golden Teeth and silver medals" noch einmal auf die Bühne kommt und den männlichen Gesangspart übernimmt, den auf CD Nicolai Dunger geliefert hatte. Auch beim 2001er-Hit "I can buy you" darf Åström noch einmal in die Saiten greifen und die Band unterstützen.

Bei bislang zwei veröffentlichten Alben fällt die Songauswahl des Abends nicht weiter schwer: Die neue Platte wird fast komplett zu Gehör gebracht und vom Erstling gibt es eine nette Auswahl - zum Beispiel "Angel of Sadness", "Algebra" und "Rock'n'Roll Ghost". Wer Cardigans-Songs erwartet hat, der wird enttäuscht, aber "A Camp" spielen eine etwas gewöhnungsbedürftige Coverversion von Grace Jones' und Marianne Faithfulls  "I've Done It Again". Darüber hinaus steht als zweite Zugabe David Bowies "Boys keep swinging" auf dem Programm, wobei es die Band das einzige Mal ein bißchen krachen lässt. Umso ruhiger dann der Abschluss: Der letzte Song des neuen Albums, "The weed had got there first", bildete auch den musikalischen Abschluss für diesen runden Abend.

Dieses Review wurde übrigens für GetAddicted verfasst.

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Buchkritik: Das Urban Cook Book

Das Urban Cook Book - Kreative Rezepte für die urbane Generation

King Adz wollte als Kind unbedingt Koch werden, stattdessen studierte er aber dann in London Grafikdesign und jobbte nebenbei bei einem Skate- und Surf-Ausstatter. Nach dem Studium wurde er Art Director bei einer Werbeagentur in Südafrika, ging später nach New York und landete schließlich wieder in London wo er als Regisseur Musikvideos, Werbespots und Kurzfilme produzierte.

Der Mann ist also hochkretaiv, mächtig in der Welt herumgekommen, und er liebt die Metropolen dieser Welt genauso wie das Kochen. Aus diesen Zutaten hat King Adz jetzt ein Buch zusammengestellt, das wirklich seinesgleichen sucht.

Das "Urban Cook Book" ist aber viel mehr als nur ein reines Kochbuch. Es ist das 256-seitige Lebensgefühl eines kreativen Stadtmenschen. King Adz ist für dieses Buch von New York über Paris, Berlin und Amsterdam nach London gereist und hat auf dieser Tour 25 Menschen getroffen, die sich sogenannter Streetart, der Kunst der Straße, verschrieben haben. Fotografen, DJs, Modeschöpfer, Designer und Musiker präsentieren ihre Kunst und ihre Stadt und gewähren dem Autor in Kurzinterviews einen Einblick in ihr Leben.

Ein Großteil des Buches ist aber natürlich den 50 sogenannten Streetfood-Gerichten gewidmet. King Adz selbst beschriebt die Wahl der Speisen so: "Ähnlich wie Streetart der bereiten Masse die Schönheit der Kunst vor Augen geführt hat, dreht sich beim Streetfood alles um vielseitige, leckere Gerichte für jedermann, die auf leicht verständlichen, schnell umsetzbaren Rezepten basieren." Unter Streetfood versteht er alles, was auf dem Grill zubereitet und in Cafés, Diners, Snackbars und Imbissbuden angeboten wird. "Außerdem muss es gut sein, international und frisch. Eins ist es aber definitiv nicht: Fast- oder Junk-Food." Und so gibt es in dem Buch Zubereitungstipps für Chili Con Carne, Kebab oder Frikandeln genauso wie für Lahmacun, Couscous oder grünes Thai-Curry.

Überflüssig zu erwähnen, dass es dem Buch eines Grafikers nicht an einer exzellenten Umsetzungen und stylischen Design-Ideen mangelt. Ein Buch, dass sich nicht nur prima im Regal macht, sondern auch schnell Gebrauchsspuren aufweisen dürfte.

Rockbuch-Verlag
ISBN: 978-3-941376-00-7


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The Yard of King Adz
Rockbuch-Verlag

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CD-Review: A Camp - Colonia

A Camp - Colonia

2001 nutzte Cardigans-Frontfrau Nina Persson eine Band-interne Pause um gemeinsam mit ihrem Gatten Nathan Larson und dem befreundeten Musiker Niclas Frisk unter dem Namen "A Camp" eine umwerfende Solo-Platte zu veröffentlichen, die mit ihrem Country-lastigen Sound für einige Überraschungen sorgte. Acht Jahre später haben die Cardigans den A-Camp-Sound wie selbstverständlich in das Songwriting ihrer letzten beiden Platten einfließen lassen - Zeit also "A Camp" wieder aufleben zu lassen um neue Wege zu gehen.

Mit "Colonia" steht jetzt dieses zweite Werk des schwedischen Trios in den Regalen und tatsächlich: Die Singer-Songwriter-Klängen des selbstbetitelten Debuts finden sich auf der neuen Scheibe nur noch selten wieder. Epische und atmosphärische Töne, reduziertes Songwriting und eine Rundreise durch verschiedene Musikepochen stehen im Mittelpunkt der Platte, die bei Weitem nicht so zugänglich ist wie das Vorgängerwerk aber dennoch auch beim ersten Durchlauf schon tolle Momente bietet. Über allem schwebt natürlich die fantastische Stimme Perssons, die bei Sixties-Pop ("Here Are Many Wild Animals") oder Dixieland-Sounds ("My America") genauso überzeugend funktioniert wie bei Ausflügen in asiatische Gefielde ("Chinatown") oder in die Welt des Schmacht-Duetts ("Golden Teeth And Silver Medals").

Die größte Spezialität der Wahl-New-Yorkerin kommt auch auf dieser Platte wieder hervorragend zur Geltung: böse Texte mit zuckersüßen Melodien zu garnieren und durch den Charme ihrer Stimme bittere Ironie zu kaschieren: "Let's raise our glasses to murderous asses like you" besingt sie die Monarchie in "The Crowning" oder zeichnet in der ersten Single-Aukopplung "Stronger than Jesus" ein seltsames Bild von der Liebe: Don’t you know love is stronger than Jesus; Don’t you know love can kill anyone; So bring it on, wars and diseases; You know that love can do you like a shotgun."

Gerade diese erste Single, aber auch "The Crowning" oder "Love has left the room", ein Song der auch gut aus der Feder der Hauptband hätte stammen können, sorgen für eine starke erste Hälft der Platte. Leider fällt das Niveau zum Ende etwas ab - für Fans der Sängerin ist "Colonia" aber ohnehin ein Muss.

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CD-Review: Nashville Pussy - From hell to Texas

Nashville Pussy - From hell to Texas

Wenn einmal ein bebildertes Musiklexikon herausgegeben wird, dann dürfte direkt neben dem Eintrag für "Rock'n'Roll (schmutzig)" ein Bild von Blaine Cartwright gedruckt werden. Der Frontmann von Nashville Pussy verkörpert das Image des dreckigen Hardrock nicht nur musikalisch und textlich in Reinkultur, sondern sieht auch noch scheisse aus und bringt mit seiner Band Nashville Pussy gleich noch zwei leichtbekleidete und talentierte Frauen auf die Bühne. Diese Band ist quasi ein lebendes Klischee, und mit dem neuen Album "From hell to Texas" unterstreicht der Vierer dieses Image nachhaltig.

Songs wie "Drunk Driving Man", "Dead men can't get drunk" oder "Why why why", bei denen man immer hofft, dass Herr Cartright ein ironischer Mensch ist, oder der Southern-Rock-Knaller "Lazy Jesus" machen direkt Spaß und der rechte Fuß tippt unweigerlich mit. In "Late Great USA" gibt sich die Band ungewöhnlich politisch und kotzt sich über das System in ihrem Heimatland aus. Hauptthema der Platte ist aber natürlich "Saufen & Sex" - unterlegt mit einer schmutzigen Mischung aus Punk-Rock und Southern-Blues.

Natürlich ist es fast unmöglich, den rauen Live-Sound dieser Band auf eine CD zu pressen, aber in diesem Fall ist das Ergebnis trotzdem etwas zu arg produziert und glattgebügelt, was dem Gesamteindruck einen kleinen Dämpfer gibt. Trotzdem insgesamt ein prima Album, um einen Kasten Bier und ein paar Freunde einzuladen.

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CD-Review: Steven Wilson - Insurgentes

Steven Wilson - Insurgentes

Steven Wilson noch großartig vorzustellen macht eigentlich nur außerhalb der Progeressive-Rock-Szene Sinn, daher hier nur ein kurzer Überblick: Der Mann ist nicht nur Kopf der Überband Porcupine Tree und Gastmusiker auf unzähligen Veröffentlichungen sondern hat sich auch als Produzent von Bands wie Opeth, Anathema und Marillion einen Namen gemacht. Mit "Insurgentes" bringt Wilson jetzt sein erstes Solo-Album heraus.

Los geht die Platte gleich mit der ersten Single-Auskopplung "Harmony Korine", ein Stück, das auch auf dem letzten Porcupine-Tree-Album bestens aufgehoben gewesen wäre und alles hat, was ein Wilson-Song braucht: Hohe musikalische Qualität, tolle Spannungsbögen und gleichzeitig ein echter Ohrwurm. Klasse Einstieg, aber leider geht es dann erstmal in sanftere Gefilde. "Abandoner" und "Salvaging" sind Songs, die unheimlich viel Raum und Zeit einnehmen, aber nie wirklich loslegen. Danach wird es leider noch etwas seichter: Um einen Song wie "Veneno Para Las Hadas" zu veröffentlichen benötigt man schon ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein - um nicht zu sagen er plätschert nahe an der Grenze zur Fahrstuhlmusik. Zum Glück geht es danach langsam wieder bergauf, und spätestens bei "Significant Other" ist alles wieder vergessen. Alleine für diesen Song lohnt sich das Album. Eine wahnsinnige Melodie spult sich in einer schier endlosen Melodiespirale ins Ohr, treibt Tränen in die Augen, Gänsehaut auf die Arme und  steigert sich dann fast bis zur Unerträglichkeit um als zerbrechliche Spieluhr zu enden. Unnachahmlich Wilson. Vier weitere Songs hat der Meister danach noch in petto. Während "Twilight Coda"  wieder sehr stark auf atmosphärische Spielereien an der Grenze zur Belanglosigkeit setzt, sind vor allem "Only Child" und der zerbrechliche Titelsong "Insurgentes" noch einmal starke Nummern.

Gemessen am Wilson-Kosmos ingesamt eher ein durchschnittliches Album mit enorm starken Ausreissern nach oben und unten. Gemessen am Rest der musikalischen Welt ein Meisterwerk.

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Konzert-Review: Eagles of Death Metal in der Matrix Bochum

Eagles of Death Metal live Bochum (Foto: Mathias Schumacher)

Eigentlich - da waren sich so ziemlich alle Anwesenden einig - eigentlich ist diese Band 'ne Nummer zu groß für die Matrix. Dementsprechend kuschelig war es auch im Keller des Bochumer Clubs, als die Amerikaner um Front-Schnäuzer Jesse Hughes die Bühne enterten. Zuvor hatten "Black Box Revelation" den Abend eröffnet, klangen dabei von Ferne ein wenig nach Kyuss light und heizten den Laden schon mal gut vor. Was dann folgte war der zu erwartende Rock'n'Roll aus dem Klischee-Lehrbuch: Mit Flieger-Sonnebrille, Riesen-Pornobalken und jeder Menge Tatoos, Schweiß und Leder rotzten "The Devil" und seine Mitstreiter ihre Songs in das Langendreer Gewölbe und hatten dabei natürlich jede Menge Spaß in den Backen.

Das machte sich nicht nur an den zahlreichen Grimassen und Chauvi-Sprüchen bemerkbar, sondern auch daran, dass das Publikum bestens mit in die Show integriert wurde. Von der Bühne gab es Bier für die ersten Reihen, dafür landeten allerhand Souvenirs wie Flyer, Flaschen oder junge Frauen auf der Stage, was nie unkommentiert blieb. Musik gab es natürlich auch - dabei konzentrierte sich das Quartett vor allem auf Songs des neuen Albums "Heart On" und vom Vorgänger-Werk "Death by Sexy". Wer die Augen mal eine Weile geschlossen hat, merkte allerdings - ohne das übertrieben Geprolle und die seltsame Action auf der Bühne wäre hier nur eine normale Rockband am Werk. Zwar besser als der Durchschnitt, aber auch nicht überragend. Da aber Alle ihre Augen weit geöffnet hatten, gab es 'ne große Rock'n'Roll-Party.

Zur Zugabe kam Herr Hughes dann erstmal alleine zurück ans Mikro, schrammelte zwei Songs solo und gab seine Deutschkenntnisse zum Besten (”Du bist meine kleine Muschikatze”). Dann holte er seine Jungs noch ein letztes Mal zurück ans Arbeitsgerät und sagt Tschüss.

Dieses Review wurde übrigens für GetAddicted verfasst. Danke an Mathes für die Fotos! Weitere Fotos von ihm gibt es in der Galerie bei Getaddicted.

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Konzert-Review: Kings of Leon live im Gloria, Köln

KIngs of Leon live in Köln, 25.02.2009

1Live-Moderator Ingo Schmoll erwähnt mehr als nur einmal, es werde wohl in naher Zunkunft nicht mehr vorkommen, dass die Kings of Leon vor einem so kleinen Publikum auf die Bühne gehen. Daher sind die rund 800 geladenene Gäste im Kölner Gloria-Theater auch überglücklich, dass sie diesem raren Moment beiwohnen dürfen: Für den Radiosender 1Live spielen die Abräumer der vergangenen Monate ein exklusives Konzert, das nicht nur live im Radio übertragen, sondern auch gleich für den WDR-Rockpalast als Fernsehaufzeichnung mitgeschnitten wird (Sendetermin ist die Nacht vom 22. auf den 23. März).

Wahrscheinlich ist es dieser massiven Medienaufmerksamkeit zuzuschreiben, dass die vier Followills extrem konzentriert zu Werke gehen. Zwar zeichnen sich die Konzerte des Quartetts nie durch eine besonders energiergeladene Bühnenshow aus, aber dieses mal wird man den Eindruck nicht los, dass die Musiker den Arsch richtig zusammenkneifen, um auch ja keinen falschen Ton zu spielen. Dennoch kommt natürlich in dem fantastischen Ambiente des Gloria-Theaters eine tolle Stimmung auf, was angesichts der Songauswahl der drei Brüder und ihres Cousins auch kein Wunder ist. Die Band konzertriert sich weitestgehend auf die Stücke des aktuellen "Only by the night"-Albums und des Vorgängers "Because of the Times" und streut nur gelegentlich ein Stück von den ersten beiden - eher sperrigen, aber nicht minder großartigen - Alben ein. "Closer", "Knocked up", "Use Somebody", "Charmer" - die Kings zünden eine Granate nach der anderen. 

Caleb Followill live in Köln, 25.02.2009

Und als Frontmann Caleb Followill mit den Worten "You're on the radio, so you'd better sing along now" den Überhit  "Sex on fire" ankündigt gibt es im Gloria kein Halten mehr. Caleb selbst aber scheint nicht ganz zufrieden mit dem Werk des Abends zu sein - obwohl die Songs mit einem perfekten Sound und ebenso perfektem Vortrag aus den Boxen ballern. Zuerst hat er fortwährend Stress mit seinem In-Ear-Monitoring, diskutiert regelmäßig mit seinem Stage-Manager und hadert schließlich mit der Kürze des Auftritts. Irgendwie scheint es nicht der Abend des hageren Mannes mit der irren Stimme zu sein. Erst als die Kings of Leon nach einer äußerst ausgeprägten Pause wieder für die Zugaben erscheinen, wirkt der Sänger deutlich entspannter, gönnt seinem Publikum ein paar Grimassen und auch ein Lächeln huscht dann und wann über das konzentrierte Gesicht.

Nach weiteren zwei Songs und insgesamt nur knapp 75 Minuten ist dann leider schon Schluss - trotzdem lässt das Quartett aus Tennesee ausschließlich glücklich Gesichter zurück, denn wer weiß, wann die Kings of Leon mal wieder vor so einem kleinen Publikum spielen werden ...

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