Konzert-Review: Dredg live in der Zeche Bochum

Wenn Dredg die Bochumer Zeche gleich für zwei Abende buchen müssen, um alle Ticketwünsche erfüllen zu können, dann ist das hoffentlich nicht nur der Tatsache geschuldet, dass die Kalifornier mit ihrer aktuellen Single-Auskopplung "Information" aus unerfindlichen Gründen gerade im deutschen Unterschichten-Fernsehen stattfinden.
Und wenn dem doch so ist, dann haben eben jene Deppen, die sich zu "Information" freudig hüpfend die Seele aus dem Leib pogten es verdient. Sie haben es verdient, dass dieser Song mit seinem schmerzhaft wummernden Keyboard-Bass an diesem Abend einen fürchtlichen Sound hatte, der einem an der Innenwand des Schädels kratzte. Sie haben es verdient, dass sie nicht merkten, wie unendlich viel großartiger alle anderen Songs sind, und sie haben es verdient doof aus der Wäsche zu gucken als es wie immer keine Zugabe gibt.
Während die Zeche beim Gig am 11. Juni aus allen Nähten platzte, wäre beim Zusatztermin fünf Tage später noch Platz für ein paar Leute mehr, aber das tut der Größe des Abends keinen Abbruch. Mal abgesehen von dem erwähnten "Information"-Reinfall ist der Sound durchweg grandios und unterstützt das Ausnahme-Quartett beim Abfeiern der runden 90 Minuten in denen sie einen Querschnitt aus den drei letzten Studio-Alben bieten und mehr oder weniger nebenbei auf das neue Album "The Pariah, the Parrot, the Delusion" eingehen. Doch auch wenn das Werk in den Kritiken sehr unterschiedlich aufgenommen wird, zünden die neuen Songs in Bochum hervorragend. "Ireland", "Pariah" und "Saviour" passen sich bestens ins Gesamtkonzept ein, und selbst vermeintliches Album-Füllmaterial wie "R U OK" oder die "Stamp of Origin"-Intermezzi lassen keine Langeweile aufkommen, was natürlich auch an der intensiven Bühnenpräsenz vom etwas mopsig gewordenen Sänger Gavin Hayes und dem Schlagzeugwahninnigen Dino Campanella liegt.
Letzter hält sich übrigens ganz artig im Hintergrund - weder Air-Drumming noch Solo mit Set-Abbau gehören an diesem Abend zum Programm. Zu tun bekommt Campanella natürlich trotzdem genug, denn gleich beim Opener "The canyon behind her" vom "El Cielo"-Meisterwerk fällt so Manchem die Kinnlade runter ob des Irrsinns, den der Mann hinter der Schießbude produziert. Mit "Sang Real", "Bug Eyes", "Same Ol' Road" und "Planting Seeds" gibt es gleich noch vier bekannte Ohrenputzer hinterher und auch im weiteren Verlauf wird mit "Brushstroke: New Heart Shadow","Trinagle" und "Ode to the Sun" oder "Catch without arms" nicht mit bewährtem Live-Material geknausert. Das Ende des Abends gehört dann ganz der neuen CD: "Down to the cellar" und "Stamp of Origin: Horizon" bilden sowohl den Abschluss des aktuellen Siberlings als auch für ein annähernd perfektes Konzert - übrigens die einzige Überschneidung mit der ansonsten komplett anders gestrickten Setlist vom ersten Bochumer Abend.
Dieses Review wurde übrigens für GetAddicted verfasst.
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