Veröffentlicht am 18.01.09, 13:15 Uhr im Bereich "
PRIVATES"

Nachdem der große Wurf jetzt ein gutes Jahr her ist, wird es Zeit Bilanz zu ziehen. Herrje, was für ein Jahr — anfangs hat man dem kleinen Wurm ja noch alles verziehen. Anschreien, Anpinkeln, Ankotzen, Schlafentzug, Nahrungswunsch zu lächerlichen Uhrzeiten — egal, er konnte sich einfach alles leisten. Er war schließlich frisch geschlüpft und wusste nichts von der Welt.
Mittlerweile füllt sich die Festplatte des Filius zwar rapide, aber mit — wie mir scheint — leider völlig unnützem Zeug. Während es zum Beispiel auf dem Gebiet des Ein-, Durch- und Ausschlafens immer noch eklatante Mängel gibt, hat er in der Disziplin des CD-Regal-Ausräumens fantastische Fortschritte gemacht. Ein Feld dessen Entwicklung mir im Kleinkindalter nicht unbedingt vorrangig erscheint. Ich weiß auch nicht, was sich die Natur bei sowas denkt ...
Mittlerweile gilt das Entrümplungsinteresse aber vermehrt dem Tupperschrank in der Küche (ja, wir haben einen Tupperschrank — nein, das ist nicht meine Schuld), und ich muss mir leider schon jetzt eingestehen: Unsere Hebamme Heide Heidi hatte Recht. Die weise Frau sagte schon als Jacob noch umbaucht war voraus: Es wird ein Rabauke.
Aber jetzt erstmal zum scheinbar Wichtigsten: Die meistgestellte Frage ist nämlich zurzeit "Läuftaschonsprichtaschon?" Die Antwort lautet Jein, denn während das Laufen schon einigermaßen gut klappt — dazu später — hält sich die sprachliche Entwicklung in Grenzen. Anfangs hatten wir uns große Hoffnungen gemacht, denn schon mit sieben, acht Monaten entfleuchte Jacob sein erstes Wort. Nicht "Mama", nicht "Papa", nein "Jacob" hat der kleine Egoist zuerst gesagt. Mittlerweile hat er das aber wieder vergessen und sagt stattdessen mit Vorliebe "Da!". Hier eine kleine Auswahl des derzeitigen Wortschatzbestandes:
- Mama -> Mutter
- Papa -> Vater
- Amam -> Schnuller
- Mam -> Schnuller
- Mamam -> Schnuller
- Nam -> Potentiell essbar, aber ich komme nicht dran
- Bababe -> Banane
- Babfel -> Rundes Obst
- Ball -> Rundes Spielzeug
- Babb'n -> Smalltalk-Geplänkel
- Da! -> Ich habe was gesehen und will dahin. Sofort.
- Ga! -> Siehe "Da!", aber mit Schnuller im Mund.
Das Laufen funktioniert wie erwähnt besser. Er bewegt sich zwar etwa so wie sein Vater nach der siebten Flasche "Fiege Gründer" und fällt auch entsprechend oft um, aber er kommt voran. Elterliche Hilfe lehnt er dabei in letzter Zeit immer öfter strikt ab. Aber bis aus dem glitschigen Wurm vom 7. Dezember 2007 ein torkelndes Kleinkind werden konnte, waren einige Zwischenschritte notwendig. Einer der wichtigsten war mit der Nachricht "Er kann sitzen" verbunden. Denn wer eigenständig sitzen kann, muss beim Essen nicht mehr auf fremden Schößen rumlungern. Allerdings bedarf es hierfür eines kindgerechtes Sitzmöbels. Da wir nur das Beste für den Thronfolger wollen, beschlossen wir, den "Mercedes unter den Kinderstühlen" zu kaufen. Wie das bei Mercedessen aller Art so üblich ist, kosten sie viel zuviel Geld, weswegen wir den unsrigen im Internet bestellen wollten. Aber da könnte ja jeder kommen. Einfach einen Stuhl kaufen — das geht nun wirklich nicht. Schließlich geht es hier nicht um so etwas Banales wie eine Schusswaffe oder ein psychoaktives Medikament — nein, wer einen Kinderstuhl kaufen will, der muss eine Prüfung ablegen. Kein Scherz.
Aber nicht nur der Kauf eines Kinderstuhls erfordert Nerven bis zur Selbstaufgabe, wer jemals versucht hat, die Reifen eines Bobby-Cars zu wechseln, weiß wovon ich rede. "Warum würde man die auch wechseln wollen, einen Platten können sie ja kaum bekommen", fragen sich jetzt einige naive Kinderlose. Die Sache ist ganz einfach: Die Herstellerfirma "BIG" verdient mit ihrem roten Kunststoff-Boliden scheinbar nicht genug Geld und hat daher neben einigen vollkommen bekloppten Add-Ons wie Armaturenbrett mit sound-echtem Zündschloss und Navigationsgerät fürs Kinderzimmer auch die weise Erfindung von Flüsterrädern ins Sortiment genommen. Für die Einwohner einer Holzfußboden-Wohnung und ihre Nachbarn eine absolute Ohren-Wohltat, aber um dies Flüsterbereifung zu montieren muss erst die alte ab. Die Demontage-Anleitung empfiehlt, eine Metallhülse auf die Nabe des Rades zu halten und dann mit einem großen Hammer drauf zu kloppen. Obwohl mir das etwa so logisch erschien, als ob man bei einem echten Radwechsel erst ein paar mal mit einem Buttermesser auf die Reifen einsticht und dann wütend mit den Armen wedelt, probierte ich es. Der Erfolg war erwartungsgemäß gering. Nach einigen weiteren Versuchen mit allerhand Hebelwerkzeug gaben wir auf und entschlossen, die tükischen Räder Jacobs Tüftel-Opa zu übergeben. Der schaffte es schließlich, aber er verfügt auch über Werkzeug mit dem man Bäume entwurzeln und nach Öl bohren kann.
Eigentlich war ich ja beim Laufen: Die Kombination der neuen Mobilität mit dem ungezügelten Entrümplungsinteresse des Filius sorgt für einige Überraschungen. Während es ja noch ganz lustig ist, eine Plastik-Kuh im erwähnten Tupperschrank abzustellen, oder einen Lego-Stein in Vaters Schuhe zu stecken, überstrapaziert es den Humor der Erziehungsberechtigten doch etwas, wenn eine Ladung Cleanex-Tücher unter der Kochwäsche versteckt wird. Falls von mir also demnächst an dieser Stelle einige Tage nichts zu lesen sein sollte, dann ist vermutlich meine Tastatur in der Waschmaschine ...
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