Vaterrolle vorwärts: Die Wehen des Elterwerdens

Der Stammhalter

"Vater werden ist nicht schwer - Vater sein dagegen sehr" - was für ein dämliches Sprichwort. Sicher, der Akt der Zeugung als solcher mag ja ganz spaßig sein, aber alles was dann auf dem Weg zur Geburt folgt, birgt doch ganz beträchtliche Fallstricke.

Zunächst einmal sind da die medizinischen Begleiterscheinungen mütterlicherseits. Während wir von "Saure Gurke mit süßer Sahne"-Sonderlichkeiten weitgehend verschont blieben, machte sich nach und nach eine gewisse Vergesslichkeit, ja geradezu Verstreutheit bemerkbar, die die werdende Mutter kategorisch als "Schwangerschaftsdemenz" entschuldigte. Dafür hatte ich freilich zunächst nur Spott über und unterstellte ihr, dass sei eine faule Ausrede, wenn auch eine recht smarte.

Aber als ein - ebenfalls trächtiger - Bekannter mich auf einer Party zur Seite nahm und fragte: "Sag mal habt ihr auch so Probleme mit Schwangerschaftsdemenz?", wurde ich doch etwas skeptisch. Die Anfrage bei Google fördert verblüffende 2000 Ergebnisse zu diesem Thema zu Tage. Ich geriet ins Zweifeln. Für völlige Klarheit sorgte schließlich unsere Hebamme. Auch so eine seltsame Sache, die ich vorher nicht geahnt hätte: man braucht eine eigene Hebamme. Unsere heißt Heidi und hat früher bei Opel den Kadett zusammengeschraubt. Das sind zwar keine klassichen Gebär-Qualifikationen, aber zurzeit muss Heidi ja auch nur unseren Vorbreitungskurs leiten. Und ebendort eröffnete sie die erste Stunde mit den Worten: "Schwangere, Stillende und Hebammen haben kein Kurzzeitgedächtnis." Ungemein beruhigend.

Was Heidi nicht erwähnte, war, dass Schwangere, Stillende und Hebammen offensichtlich auch eine komplett eigene Grammatik entwickeln. Wird man von erfahrenen Vätern oder Müttern nach dem errechneten Geburtstermin gefragt, so lautet der dazugehörige Satz: "Wann seid ihr ausgerechnet?" Im normalen Leben ist das eine Formulierung, bei der ich mindestens noch ein bis zwei Verben verlangen würde, bevor ich eine Antworte gebe. Nicht so unter Gebärenden. Bislang war ich davon ausgegangen Jochen Malmsheimer habe mit seinem Werk "Halt mal Schatz" vollkommen übertrieben, aber auch ich hörte tatsächlich den Satz der Sätze "Unter der Geburt muss die Kreißende atmen." Unter der Geburt. Fantastisch. Nicht bei, während oder über. Unter.

Anders als Malmsheimer muss ich allerdings keinen Stöhn- und Hechelkurs aufsuchen, wobei: Stöhnen muss man schon wenn Heidi erst richtig in Fahrt ist. Neulich fragte im Kurs ein unvorsichtiges Männchen, wie man sich den Schmerz der Geburt als Mann am ehesten vorstellen könne. Eine äußerst dumme Frage, deren Antwort ich nicht kennen wollte und - das konnte ich in den Gesichtern der übrigen Anwesenden lesen - auch sonst niemand.

Dennoch bemühte sich Heidi um eine möglichst plastische Antwort. Mit Hilfe einer bereits entbunden habenden Kursteilnehmerin ("Ich war froh, dass ich am Leben war") erklärte sie zunächst, dass man es sich wie eine Vierteilung vorzustellen habe. Heidi muss wissen wovon sie spricht, sie hat selbst vier Kinder zur Welt gebracht - als Mutter, nicht als Amme. Dennoch fand sie die Frage scheinbar noch nicht zufriedenstellend beantwortet und zitierte daher lieber eine amerkanische Studie, die besagt, dass Geburtsschmerz sich schlimmer als ein Bauchschuss anfühlt, aber nicht ganz so schlimm wie ein Messerstich in denselben. Ich möchte überhaupt nicht wissen, wie die Amis zu dieser Erkenntnis kommen, aber ich befürchte es hat was mit Guantanamo zu tun. Oder es gibt eine representative Anzahl Frauen, die alle drei Ereignisse er- und überlebt haben. Klasse, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Ein Land der begrenzten Möglichkeiten ist übrigens mittlerweile der mütterliche Bauch geworden, aber das stört den Bewohner, den wir ob seiner Aktivität "Tretfred" getauft haben, überhaupt nicht. Tagein, tagaus tritt und schlägt er in Lungen, Leber, Milz oder was gerade so zu erreichen ist. Einschlägige Literatur hält zwar die Information bereit, dass unser Kind jetzt 20 Stunden am Tag schläft und vier wach ist, aber irgendwie will sich der Nachwuchs nicht an diese Regel halten. Heidi hat zu diesem Verhalten ihre eigene Ammen-Theorie: "Es wird ein Rabauke."

Toll. Ich freu' mich schon.

Kommentar von Kristin Breetzke

Hey Ihr Lieben,

dieser Text ist einfach nur wunderbar, ich habe mich köstlich amüsiert. Es zeigt mir, dass Du Deinen Beruf nicht verfehlt hast ;-)

Ich rege mich auch sehr oft über nicht beendete Sätze oder falsches Deutsch auf. Aber es kann nicht jeder so gebildet sein wie wir und bei einigen Schwangeren ist dieses Bildungszentrum vielleicht mit Fruchtwasser überschwämmt ;-)

Ich kann mich erinnern, dass mich in der Schwangerschaft die letzten 2 Wochen genervt haben. Da hatte ich ständig Sodbrennen, aber sonst ging es mir immer gut (bis auf die andere Geschichte mit Christian natürlich). Tjark hat auch immer ordentlich getreten, was aber nur ein gutes Zeichen ist, finde ich. Wenn er dann längere Zeit nicht getreten hatte, war ich doch ein wenig beunruhigt.

Tjark wird sicher früh einen Schwimmkurs machen, da ich meine halbe Schwangerschaft genüsslich lesend in der Badewanne verbracht habe. Eine Anananas ist er aber nicht geworden, darauf hatte ich nämlich immer Hunger. Mit der Gurkentheorie hatte ich auch nichts im Sinn.

Eure Hebamme scheint genauso spaßig zu sein wie meine. Ja Jensi, man hat eine eigene Hebamme ;-) Meine hieß Christiane und war auch echt gut drauf und Mutter von 2 Kindern und alleinerziehend. Ihre spaßigste Geschichte war, dass in ihrer Zeit als Hebamme in einem Hamburger Krankenhaus plötzlich der Mann mit in der Badewanne lag als sie wieder in den Raum kam. Na, also pack schon mal die Badehose ein.

Ansonsten kann ich Euch nur sagen, dass das wirklich das Schönste im Leben ist, ein Kind zu bekommen und großzuziehen. Allerdings, liebe Maria, ist die Figur danach ziemlich ruiniert, jedenfalls bei mir. Ich arbeite also immer noch an der Mehrkilos aber zum Glück gibt es da ja unterschiedliche Typen und Du hast vielleicht mehr Glück.

Weiterhin alles gute für Euch und Tretfred und wenn Heidi keine Zeit hat, stehe ich mit der Beantwortung von Fragen gerne zur Verfügung.

Liebe Grüße von Kristin

Kommentar von Andreas

Hallo Jens, hallo Schwesterherz und "Tretfred".

Da ich ja leider immer zu wenig Zeit habe, oder mir nehme - immer habe ich es aber geschafft, den Artikel zu lesen ;-) - melde ich mich hier mal kurz zu Wort.
Toller Artikel, und fast informativer als die recht seltenen und kurzen Gespräche mit Maria.

Danke für die Viertel Stunde angenehme Kurzweil.

Da ich nicht so gescheit daher schreiben kann, fasse ich mich kurz, und lasse nur lieb grüßen.

Bis bald, Andreas

Kommentar von Stefan SL

Warum nennt man ein Kind "Tjark"?

Kommentar von Snowy

Very true! Makes a change to see soemnoe spell it out like that. :)

Kommentar von dtszehxbyqf

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Kommentar von ggjccn

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Kommentar von yonzqn

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