Alter Schwede ... Neues von der Vaterfront

Marias Bauch, 8. Monat

Von den Tücken, die in den ersten Schwangerschaftsmonaten auf werdende Väter warten, berichtete ich ja bereits ausführlich.

Doch sollte all das nur ein müdes Vorgeplänkel sein für die nun folgenden Wochen. Unsere nette und kompetente aber leicht verwirrte Kursleiterin Hebamme Heidi verabschiedete die werdenden Eltern am letzten Geburtsvorbereitungsabend mit der Vorführung einer cineastisch aufbereiteten Hausgeburt aus den Niederlanden. Man sah alles. A-L-L-E-S! Erwähnte ich, dass Heidi dazu Spritzgebäck reichte? Mein Appetit hatte Lücken. Und die Lust das soeben am TV gesehene in Bälde live erleben zu dürfen wich auch merklich. Aber dafür war es nun definitiv zu spät. Marias Bauch hatte schon Arme und Beine und zeigte sie uns auch immer öfter.

Es würde daher schleunigst Zeit für die Ausstattung des Kindes zu sorgen, mahnte die werdende Mutter. Viel konnte das ja nicht sein - für so einen kleinen Wurm. Ich nahm mir also einen Nachmittag frei und hoffte, damit sei die Sache vom Tisch. Von wegen ... An diesem Nachmittag schafften wir es gerade mal, einen Kinderwagen zu kaufen. Ich habe noch mit keinem Autokauf so viel Zeit verbracht, wie beim Erwerb dieses Baby-Gefährts. Und ich habe auch schon Autos gefahren, die deutlich günstiger waren, als die Modelle, die uns die freundliche aber hoffnungslos inkompetente Verkäuferin an diesem Tag vorführte.

Wir schoben Probe und verglichen Farben. Testeten die Griffhöhe und sogar die Joggingtauglichkeit. Nur die schnöde Tatsache, ob er überhaupt ins Auto passen würde, die prüften wir erst zuletzt. Was fatal war, denn er passte natürlich nicht. Und so passierte, was mir noch nie passiert war: Ich kaufte ein schwedisches Fahrzeug. Für meinen Sohn. Hoffentlich prägt das nicht und er will später einen Volvo haben.

So, damit war aber gerade mal ein Häkchen auf einer langen, langen Liste gemacht. Während meine inzwischen relativ abgerundete Freundin dankenswerterweise alleine für den Einkauf von allerlei Höschen, Pullöverchen und anderen -chens sorgte und auch kiloweise Tücher herbeischaffte ("Wofür sind die?" - "Wenn er dir über die Schulter kotzt"), musste ich wieder ran, als es um die Wickelkommode ging. Die besorgten wir passend zu unserem Kinderwagen in einem schwedischen Möbelhaus.

Auswahl, Kauf und Abtransport waren überraschend problemlos, was ich allerdings vom Aufbau nicht behaupten kann. Der größte Teil des Möbels stand bereits, als wir eines Aufklebers gewahr wurden, der auf einem Brett angebracht war, das den gut sichtbaren Abschluss der Kommode bilden sollte. Auf dem Aufkleber stand in geschätzten 40 Sprachen, dass man das Kind nicht unbeaufsichtigt auf der Kommode liegen lassen solle, weil es sonst runterfallen könne. Der fürsorgliche Sticker hatte nur ein gravierendes Manko: Man konnte ihn selbst unter Anwendung roher Gewalt und auch mit ätzenden Tinkturen nicht entfernen.

Auf hartnäckiges Nachfragen beim Hersteller beschied man uns, dass es auch gar nicht vorgesehen sei, dass man diesen Aufkleber entfernt. Er solle bleiben wo er ist, damit auch wirklich nichts passiert. Jetzt weiß ich ja ehrlich gesagt nicht, wie dämlich der durchschnittliche Schwede so ist. Aber dass die Nordmänner schon auf amerikanisches Mikrowellen-Pudel-Niveau gesunken sind, war mir komplett neu. Mit einem Zeitaufwand von drei Stunden und unter Verlust von acht Fingernägeln schaffte Maria schließlich die Entfernung des Aufkleber doch noch, und wir entschieden uns spontan, dem Köttel entgegen unserer bisherigen Planungen nun doch keinen schwedischen Namen zu geben.
Das wäre einfach zu viel des Guten.

Kommentar von Anja

Ach ihr zwei Süßen,...
das hört sich ja nach richtig viel Arbeit an, aber ich denke, dass das lediglich eine Kleinigkeit ist, im Gegensatz zu dem, was euch noch erwartet. Das schwedische Möbelhaus wollte euch nur schon mal auf das Elternwerden vorbereiten. Da wäre man bestimmt froh, wenn man nur 3 Stunden knibbeln und 8 Fingernägel verliert statt der Nerven. :o)
Ich wünsche euch auf jeden Fall alles Gute und bin denn nun gespannt, wann der Krümel denn nun geboren wird.... und wie eure Namenswahl ausfällt...
Anja

Kommentar von Stefan

Jaaa, nochmal herzlichen Glückwunsch an das frische Elternpaar. Wann bekommen wir die ersten Kotz- und Kackgeschichten hier zu lesen?

Aber Kinder sollen ja auch Freude bereiten, hörte ich.

Kommentare



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