Die Leiden der jungen Väter

... in Liesborn.

Zwei Monate nach seiner Geburt finde ich dann doch die Zeit und die Muße, ein paar Worte über meinen Sohn zu Papier bzw. zu Monitor zu bringen. "Über meinen Sohn ..." wie das schon klingt. Muss ich mich erstmal dran gewöhnen.

Die schmerzhaften Details aus dem Kreißsaal will ich aus gebotener Rücksicht mal verschweigen. Nur soviel - liebe Mitväter, geehrte Mütter - wenn ich noch einmal irgendwo esotherisch verschwurbelte Sätze vom "total schönen Erlebnis, das mich zu einem anderen Menschen gemacht hat" lesen oder hören muss, dann werde ich mein Schweigen brechen. Und es wird furchtbar werden. Versprochen.

Im Gegensatz zum Akt der Geburt war die Geburtsumgebung übrigens äußert angenehm. Das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke kann ich daher nur wärmstens empfehlen.

Nach mehreren Wochen, in denen mein Wissen um Details erweitert wurde, die ich eigentlich nie erfahren wollte ("Kinderkacke kann auch mal grün und schaumig sein, das ist nicht schlimm"), sind wir jetzt zu einem einigermaßen passablen Team geworden, mein Sohn und ich. Schreit er, gibt es diverse Lösungsansätze:

  1. Lass ihn in Ruhe. (Hilft fast nie)

  2. Bring ihn zum Rülpsen, aber pass auf, dass er Dir nicht auf die Kleidung spuckt. (Hilft nur innerhalb der ersten halben Stunde nach seiner Mahlzeit)

  3. Such ihm eine Brust
    • und zwar möglichst die seiner Mutter
    • und zwar möglichst die, die er vorher nicht bekommen hat.
    • und zwar nur alle drei bis vier Stunden, sonst wird die Brustinhaberin ungehalten.
  4. Nimm ihn auf den Arm. Das hilft am besten. Allerdings gibt es auch Schrei-Varianten, bei denen das einfache "Auf-den-Arm-nehmen" rein gar nichts bringt, es sei denn man läuft währenddessen durch die Wohnung. Dieser Wunsch des Kindes kollidiert aber des öfteren mit dem Wunsch des Vaters zum Beispiel fernzusehen oder Zeitung zu lesen. Also simuliert der Vater das "Durch-die-Wohnung-laufen" mit Hilfe eines großen, grünen Gummiballs, auf dem er sitzenden rumwippt. Doch seit die Sehschärfe des Balgs zunimmt, kapiert es, dass es auf den Arm genommen wird (daher die Floskel) und schreit umso erbärmlicher. (Hat jemanden einen tragbaren Fernseher für mich?)

  5. Leg ihn unter knallbuntes und geräuschhaltiges Spielzeug. Das wirkt nur selten, aber wenn, dann erzeugt es faszinierende Geräusche beim Kind ("Oggl", "Errö").

Während also das Kind an sich - zumindest bis jetzt - durchaus umgänglich ist, spielt das Umfeld komplett verrückt. Verwandte und Bekannte sind schier aus dem Häuschen, freuen sich über jedes zahnlose Lachen und verschenken halbe Kuschelzoos. Das ist der sympathische Teil des verrückten Umfelds.
Das Peinigendste aber sind Menschen, die einen urplötzlich und ohne erkennbaren Grund einfach so ansprechen: "Och, der ist aber noch klein." Ja sicher ist der noch klein, der ist ja auch gerade erst geschlüpft, wäre er größer, wäre Maria vermutlich explodiert.

Gestern beim Einkaufen sprach uns tatsächlich ein Mann fortgeschrittenen Alters an und erzählte, er habe auch zwei Töchter. Eine sei 23, die andere 27. "Aha." Ich will sowas nicht wissen. Wieso gilt das Datenschutzgesetz eigentlich nicht in beide Richtungen. Diese Auskunftsfreudigkeit - nur weil ich Kind spazieren fahre? Man stelle sich einmal vor, ich würde auf einem Parkplatz wildfremde Neuwagen-Besitzer mit folgender Information versorgen: "Tolles Auto haben Sie da. Ich hatte vor fünfzehn Jahren mal einen Golf II." Man würde vermutlich - völlig zu Recht - umgehend für meine Unterbringung in behüteter Umgebung sorgen.

Weitere Bilder zu diesem Thema in der Galerie "Jacob"

Kommentar von Konstantin

Was hast du gegen das Ansprechen von fremden Neuwagen-Besitzern?

Kommentar von wolle

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Sohnemann.Da spricht der stolze Vater aus Dir.Du bist hier sehr mitteilsam.Das ist Kommunikation! Wenn Dich Fremde auf Deinen Sohn ansprechen und dabei auch stolz auf die eigenen Kinder sind, ist das doch eine schöne Sache.Und- auch das ist Kommunikation.

Kommentare



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